an, daß ſie mit leiſer Stimme Gebete für ſeine Seele herſagten. Bruder Benedetto, der mit einigen Mön⸗ chen gekommen war, um Niccolo ein Wort des Tro⸗ ſtes zu ſagen und ihn beim Herausgehen aus der Kirche Ehre zu erweiſen, redete ihn ehrerbietig an.
„Bruder Benedetto,“ ſagte der Greis, während er ſich anſchickte, fortzugehen;„ich empfehle Euch in Euren Gebeten an Lamberto zu denken, daß ihn Gott geſund und wohl zurückſende, er hat mir geſchrieben, daß er in wenigen Tagen in Florenz ſein wird. Aber die Pferde des Marcheſe del Vaſſo ſind auf der Straße nach Bologna geſehen worden. Gott wolle nicht, daß— Liſa, ſei gutes Muths(fuhr er fort zu der Tochter gewendet, die bei dieſen Worten eine Bewe⸗ gung verrathen hatte); Lamberto iſt kein Narr und weiß, was er zu thun hat, und es werden nicht viele Tage vorbei gehn, ſo wird er mit Gottes Hilfe wie⸗ der da ſein, wo ihn ſolche Böcke nicht mehr ſtoßen.“
Liſa ſchmiegte ſich an die Schweſter und verbarg ihr Geſicht ſo, daß es nicht möglich war, zu erkennen, mit welchem Gefühl ſie die Rede des Vaters aufnahm. Diejenigen von den Umſtehenden, denen es bekannt war, daß zwiſchen Lamberto und Liſa eine Verlobung geſchloſſen ſei, urtheilten, daß dieſes Verbergen von der Schamhaftigkeit herrühre, welche die Mädchen bei dergleichen Gelegenheiten zu zeigen pflegen.
Indeſſen ging Niccolo, umgeben von ſeiner Fa⸗ milie und gefolgt von allen, die in der Kirche waren, hinaus, und es blieb Niemand anders in der Kirche zurück, als der Sacriſtan, der einen Saum des Leichen⸗ tuchs über das Geſicht des Todten zog, die Lichter auslöſchte und ebenfalls zur Thüre der Sacriſtei hin⸗ ausging.
Bruder Giorgio war nach geendigter Meſſe in ſeine Zelle gegangen und hatte ſich dort eingeſchloſſen. Das Lachen, das ihm in der Kirche entſchlüpft war, ärgerte ihn; er ſah ein, daß er Unrecht gethan hatte,


