Drittes Kapitel.
Die Todtenmeſſe ward ohne weitere Störung be⸗ endigt, der Meßprieſter legte das Meßgewand ab, nahm den Rauchmantel um, um bei dem Leichnam die letzten Leichengebräuche vorzunehmen und ſtieg vom Altar herab; drei Chorknaben trugen die zwei Leuchter vor. Giorgio folgte mit dem Keſſelchen mit Weih⸗ waſſer
Die Menge zog ſich von der Bahre zurück, um welche herum blos Niccolo und ſeine Söhne blieben, ſie ſprachen Gebete, vollzogen die vorgeſchriebenen Ge⸗ bräuche und Beſprengungen, und als die Prieſter in die Sacriſtei zurückgekehrt waren, hieß Niccolo Bindo ſich nähern, löste den Schild und das Schwert Bae⸗ cio's ab, hielt ſie mit der linken Hand, und legte die b rechte auf das Haupt des Sohnes, zu welchem er agte:
„Bindo, dieſes Schwert und dieſer Schild, die ich Dir gebe, ſie gehörten Baccio, den Du hier als Leiche ſiehſt, weil er ſeine Pflicht als guter Bürger ge⸗ than hat. Nun! ſieh mir in die Augen! kömmt es Dir vor, als ob ich weine.“
Der Knabe machte ganz beſtürzt mit dem Kopf ein Zeichen der Verneinung.
„Und wenn ich nicht weine, Du weißt, daß es nicht darum iſt, weil ich für dieſen meinen Sohn und Deinen Bruder nur geringe Liebe gehegt hätte, ſon⸗ dern weil ich erkenne, daß jeder Menſch zuerſt Gott unſerm Herrn und ſeinem heiligen Glauben, für's zweite aber dem Vaterland verpflichtet iſt, und daß man in ihrem Dienſte ſeine Kräfte opfern muß, und überzeugt bin, daß denen, die ſo thun, ein ehrenvolles Gedächtniß in dieſer Welt und ewige Vta in


