Teil eines Werkes 
1.-4. Bdchn. (1845)
Entstehung
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Fußvolk auch heutzutage noch gebraucht, mit einem darauf gemalten Löwen im weißen Felde; der Mann, der ſie trug, hielt mitten in dew Kirche und blieb dort

in der Mitte der Seinigen ſtehen.

So wuchs nach und nach der Haufe und drängte

ſich um die Bahre und um die Gruppe, welche der⸗

ſelben am nächſten ſtand und aus den nächſten Ver⸗

wandten des Verſtorbenen zu beſtehen ſchien.

Zwei Schritte von deſſen Füßen ſtand ein in Jah⸗ ren weit vorgerückter Greis; er war bekleidet mit dem Lucco, einer im Florentiniſchen Staat beſonders bei Vornehmern gebräuchlichen Kleidung. Dies war ein Anzug von ſchwarzem Zeug mit Leder gefüttert und an den Seiten, da wo die Arme durchgeſteckt werden, offen, und, wo er ſich dem Halſe anſchließt, in Falten gezogen. Auf dem Haupte trug er ein Barett, welches rund um mit Wolle beſetzt war.

Die Geſtalt dieſes breitſchultrigen und hochgewach⸗ ſenen Greiſes war ſtark und rüſtig. Auf ſeinen Wan⸗ gen verweilte noch die kräftige Färbung, welche eine ſehr gute, noch durch kein Laſter geſchwächte Körper⸗ beſchaffenheit verräth.

In ſeinem langen und dichten Bart und unter den wenigen Haaren, welche unter ſeiner Mütze hervor⸗ hingen, war kein Härchen, das nicht ſchneeweiß ge⸗ weſen wäre, nur die Augenbrauen behielten noch theil⸗

weiſe die braune Farbe und ein häufiges Zuſammen⸗

ziehen der Muskeln in der Nähe derſelben gab ſeinen ſchwarzen Augen einen ungemein ſtolzen Blick.

Der Name dieſes Greiſes war Niccolo oder Herr Cione oder Herr Lapo de Lapi, aus einem plebejiſchen Geſchlecht, einer der Zunftmeiſter der Seidenarbeiter, der ſich rühmen konnte, neunundachtzig Jahre alt ge⸗ worden zu ſein; denn ſo alt war er wirklich und bei völlig tadelloſem Leben, nie in der Liebe für ſein Vater⸗ land und ſeinen plebejiſchen Stand, für den er Leben und Vermögen mehr als einmal eingeſetzt hatte, ge⸗

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