Teil eines Werkes 
6.-10. Bdchn. (1847)
Entstehung
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6 löst die Bande der Ehe ſo leicht, als Nahrungs⸗ orgen.

Lebt wohl, meine Lieben, ich drücke Euch noch an das verzweiflungsvolle Herz! mein letzter Seufzer iſt für Euch.

Iſt in dieſem Briefe eine Spur von geſtörtem Verſtande? Jede Linie malt nur auf's ſprechendſte die Verzweiflung eines Mannes, der ſich von Armuth be⸗ droht ſieht und nicht mehr die geiſtige und körperliche Energie beſitzt, dieſem Schreckbild zu trotzen⸗

Der freie, überdachte Selbſtmord ſteht, wie jede Handlung des Menſchen, unter dem mehr oder we⸗ niger gewaltigen Einfluß der verſchiedenen Sitten, Gebräuche, Geſetze und Religionsmeinungen, und iſt nicht ſelten eine Handlung der Tugend, des heroiſchen Muthes. Nur ſo können wir den Selbſtmord bei Grie⸗ chen und Römern, bei den Indiern, Saguntern, Nu⸗ mantinern und tauſend andern Fällen erklären.

Wir glauben mit Brierre de Boismont, daß der freie, zurechnungsfähige Entſchluß die Regel, das Ge⸗ gentheil nur ſeltene Ausnahme ſei. Wenn wir nun aber den Menſchen dafür verantwortlich machen, wenn wir ein Verbrechen gegen Gott, deſſen Geſetze er über⸗ tritt, und gegen die menſchliche Geſellſchaft, der er ein nützliches Glied raubt, darin ſehen, ſo dürfen wir auf der anderen Seite nicht außer Rechnung laſſen, daß eben dieſe Geſellſchaft durch Undank, Verachtung und Ungerechtigkeit ſehr oft die einzige Urheberin dieſer verbrecheriſchen That iſt.

Die Geſellſchaft hat die unabweisliche Pflicht, für die Erziehuug der Maſſen zu ſorgen und die ſchlimmen Elemente derſelben auszurotten oder zu verbeſſern. Elend, Armuth iſt gewiß die häufigſte Urſache des Selbſtmor⸗ des. Sollte es unmöglich ſein, die Quellen derſelben wo nicht zu verſtopfen, doch zu vermindern? Wir glauben im Verlauf unſerer Geſchichte die Mittel angegeben zu haben, wodurch eine verſtändige Regierung den Zuſtand