Teil eines Werkes 
6.-10. Bdchn. (1847)
Entstehung
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Jahre alt, krank, lahm, halbblind; ich habe eine Menge Verſuche gemacht, Dir nicht zur Laſt zu fallen, allein keiner wollte gelingen; ich ſchleppte mich in die Hos⸗ pitäler, um meine Aufnahme zu erlangen, und man antwortete mir, ich hätte nicht das gehörige Alter. Seit ſechs Monaten erſchöpfſt Du alle unſre Hilſsmit⸗

tel und es vergeht keine Woche, daß Du nicht irgend

etwas in's Leihhaus tragen mußt; das Ende von all' dem iſt nur zu gewiß die traurigſte Armuth, das un⸗ erträglichſte Elend; viel beſſer iſt es, ich endige meine jammervolle Eriſtenz. Ich benütze Deine Abweſenheit; wann Du zurückkommſt, ſind alle meine Leiden geen⸗ det und Du haſt nur noch für Dich allein zu arbeiten und zu ſorgen.

Das zweite Beiſpiel zeigt uns einen Mann, den die Begierde nach Reichthum an den Rand des Ver⸗ derbens gebracht hat; er ſchreibt vor der That folgen⸗ den Brief:

Liebe Frau, eine Trennung iſt unumgänglich noth⸗ wendig; ſeit ſechs Monaten kämpfe ich gegen dieſen fürchterlichen Entſchluß: der Trieb zum Leben iſt ſo ſtark! Und doch muß es ſein! Ich hatte in meiner Ju⸗ gend ſo viel zu leiden, daß ich damals den Schwur that, das Leben mir zu nehmen, ſobald mich ähnliche Umſtände wieder bedrohen. Mit achtzehn Jahren ſuchte ich, um den drückendſten Entbehrungen aller Art mich zu entziehen, den Tod in der Schlacht; heute habe ich dieſen Ausweg nicht mehr. Du wirſt mir fluchen, theure Freundin, denn ich hinterlaſſe Dir nichts, gar nichts; doch iſt ja noch nicht Alles verloren: wenn unſer Sohn die Opfer, die wir für ſeine Ausbildung und Erziehung gebracht haben, zu ſchätzen weiß, ſo wirſt Du eine kräftige Stütze an ihm haben.

Mußte ich mich auch nach den bittern Leiden mei⸗ ner Jugend noch zum Börſenſpiel verleiten laſſen! Hatte ich vergeſſen, daß ich nie im Hazardſpiel gewin⸗ nen konnte und deshalb einen natürlichen Abſcheu