Teil eines Werkes 
2. Bd. (1845)
Entstehung
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Ja Dein Kind das Du einſt leicht⸗ ſinnig weggegeben haſt als reiche Leute ſich ſeiner erbarmten, nachdem es lange auf der Straße in ſeinen Lumpen umhergelaufen war.

Die Bettlerin wollte gleichfalls in Thränen aus⸗ brechen, aber die Natur ſchien ihr dieſe Quelle des Troſtes ſchon entzogen zu haben. Ihre Züge, ſo bleich, matt und abgeſtorben wie ſie waren, nahmen nur den Ausdruck einer unſäglich zerknirſchten Wehmuth an.

Martin war während dieſer Scene ganz erſtarrt und verſtummt. Er ſah von der Seite mit der größten Beſtürzung bald Eliſe bald die Bettlerin an.

Nachdem er lange ſo geſtanden und abermals eine Pauſe eingetreten war, näherte er ſich der Vorderſeite des Sopha's und blickte dann noch ein⸗ mal die Bettlerin mit großen Augen an, als wolle und müſſe er ſich erſt ganz überzeugen.

Ja rief er zuletzt und warf ſich auf die Kniee nieder, indem er mit einer haſtigen Be⸗ wegung Jede der Angeredeten bei der Hand er⸗ faßte, ſo biſt Du ja auch meine Mutter und Du meine Schweſter!

Hab' ich je ſo was erlebt! ſagte die Wirthin, ohne eine beſondere Theilnahme bei dieſer rührenden Scene zu zeigen, die wir übrigens nicht weiter ausmalen wollen, um nicht in den gewöhnlichen Romanton zu verfallen und ſo den zarten Eindruck zu vernichten, der herzlicher und inniger empfunden als erzählt werden kann.

Geheimniſſe von Hamburg II.