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Drei Weiber : eine Novelle / von dem Abbè de la Tour. Aus d. franz. Manuskript übers. von L. F. Huber
Entstehung
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den ich ſo eben erhalte, zu antworten. wollen wiſſen, ob Theobalds ſtrenge Moral keinen Streit zwiſchen uns veranlaßt? Gar nicht. Ich bin im Grunde weit mehr mit ihm einverſtanden als es ſcheint. Ob ich es gleich verdrüßlich, mühſeelig, und höchſt vergeblich fin⸗ de, laut und offenbar auf Vollkommenheit im Menſchen zu dringen, ſo liebe und wünſche ich ſie Troz einem, und aufrichtig geſagt, fordre ich

ſie doch in meinem Innern. Die Erfahrung

gebietet mir in dieſer Rückſicht bey den Men⸗ ſchen, die mir bisher die unbedingteſte Achtung einflößten, auf Fehlſchlagungen zu rechnen, aber ich kann ihnen deswegen nicht weniger trauen,

und wäre in Verzweiflung, wenn ſie Beſorgniſ⸗

ſe, die ich weit früher haben ſollte, als ich ſie

würklich habe, rechtfertigten. Wie unglücklich könnte mich das machen! Es kommt mir weit ſchrecklicher vor, mir Emilien verſchlechtert, als ſie mir ſterbend zu denken. Gott behüte mich, ihre Tugenden betrauern zu müſſen! ſelbſt Jo

ſephine, wiewohl ich bey ihr nicht ſehr auf das,