Druckschrift 
Die Macht des Geschickes : drei Erzählungen aus dem Französischen / von Champavert
Entstehung
Einzelbild herunterladen

125 chegude war noch immer nicht zuruͤckgekehrt, die arme Dina wurde mit jedem Tage trau⸗ riger, und ihre Heiterkeit ſchwand; wie hart ſchien ihr dieſes Warten! wie duͤſter ſtand die Zukunft vor ihr! Vielleicht, dachte ſie oft, liegt er jetzt in einem feuchten Gefaͤng⸗ niſſe auf moderndem Stroh, ſeine ſterbende Stimme ruft mich, aber nur das Echo der Gewoͤlbe antwortet ihm! vielleicht iſt er un ter Raͤuber gefallen, und ſie haben ihn auf der Heimreiſe erſchlagen.

Das waren die roſigen Gedanken in denen ſie ſich wiegte. Sie, einſt ſo munter und redſeelig, ſaß jetzt ſtumm und traurig am Fenſter. Ihre Melancholie ſchmerzte ihre Mutter und den alten Judas, die ſie nicht mehr wie ſonſt liebkoste, und deren Stirne ſie jetzt nur kuͤßte um ſie mit Thraͤnen zu benetzen. Oft war ſie heftig bewegt, gieng und kam wieder, und ſchien wie verwirrt; oft verſchwand ſie auf mehrere Stunden, und wenn das ganze Haus uͤber dieſe Abweſenheit in Aufruhr war, und ſie vergebens in der ganzen Stadt geſucht wurde, erſchien ſie auf einmal ruhig wieder.