Teil eines Werkes 
18. Bd. (1851)
Entstehung
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bitterung unſeres venetianiſchen Helden über Wien und Maria Thereſia athmen. Aber jene beredſame Warnung und jene Schilderung der ruſſiſchen Schreckniſſe hielten doch eine hungrige Truppe von Landsleuten, unter denen ſich Caſanova's Mutter befand, nicht ab, ihr Heil in dem ver⸗ ſchrieenen Norden zu verſuchen. Denn alle Städte Italiens waren in der erſten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in dem Grade angefüllt mit Operngeſellſchaften und Meiſtern in ſceniſchen und muſikaliſchen Künſten, und, bei dem Mangel an einer würdigen Laufbahn und jedem höheren volksthümlichen Intereſſe die Kirche ausgenommen

bei der Geſunkenheit des Handels, hatte dem geſammten

Nationalgeiſt eine ſo entſchiedene Richtung auf den frivolſten Erwerb ſich aufgeprägt, und der bewunderte Reichthum heimkehrender Virtuoſen einen ſo eifrigen Nachwuchs her⸗ vorgelockt; daß kein Abenteurerzug in die verrufenſte Ferne verſchmäht werden durfte, um einander daheim nicht zu er⸗ drücken. In Venedig, Turin, Mailand, Neapel, Rom, Bologna und in vielen kleineren Städten waren von gewinn⸗ ſüchtigen Privaten Schulen eröffnet, um aus bildſamer Ju⸗ gend Zöglinge für die einzig gültige Kunſt zu erziehen und die kindlichen Gemüther zeitig in ſogenannten Saloletten für die lohnendſte Seite ihres Berufs der Courtiſane möglichſt praktiſch auszubilden. Kam die nöthige Reife des Alters und des Talents heran, ſo wurden dieſe Opfer der ſchmutzigſten, gewiſſenloſeſten Spekulation unter Aufſicht in die Fremde geſchickt, um fürs erſte das aufgewandte Lehr⸗ geld abzuverdienen. Wir werden ſehen, daß ehrſame Nobili in Venedig, theils aus Gewinnſucht, theils um den Kitzel eines ſtumpferen Alters zu befriedigen, ſich ſolches Verdienſt um die Kunſtwelt beſonders angelegen ſein ließen. Zum Verſtändniß der wechſelvollen, aber in äußerem Glanz und Ueppigkeit immer gleichen Lebensſchickſale Caſanova's in fremden Ländern; um zu begreifen, wie er auf dem frem⸗ deſten Boden in wenigen Stunden gleich heimiſch ſein konnte, müſſen wir noch die Bemerkung anknüpfen, deren Beſtäti⸗ gung die Lebensgeſchichte auf jedem Blatte geben wird: daß ein landsmannſchaftlicher Esprit de corps die Italiäner im