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und Sängerinnen in Georgs II. Zeit ſogar zu politiſchen Perſonen, und in ähnlicher Weiſe wie in Byzanz, ver⸗ ſteckten ſich die Parteibeſtrebungen der Whigs und Torys hinter dem Wetteifer der gefeierten Theaterheldinnen, und ſuchten einander zu necken und Niederlagen beizubringen. Beide Parteien theilten ſich in die Verfechtung des Talents der Fauſtina und der Francesca Cuzzoni⸗Sandoni, zogen auch die Maestri di Capella in die politiſche Spaltung. Händel war für Fauſtina, und Buonconcini für die Cuz⸗ zoni; um den öffentlichen Frieden herzuſtellen, mußte man endlich, bei der Heftigkeit der Nebenbuhlerinnen, ſich ent⸗ ſchließen, beide fortzuſchicken.—
Rußland, das ſpäteſte Kind der Kultur des XVIII. Jahrhunderts, bot deshalb auch den Italiänern eine ſpätere Aera, ihr Talent zu Markte zu bringen. Vor der Herrſchaft der Anna Joanowna, welche mit europäiſcher Hofſitte ihren moderniſirten Thron zu umgeben ſich bemühete, bot das barbariſche Moskovitien, anderer Bildner bedürftig, den Italiänern wenig Verlockendes, und einer der erſten welſchen Abenteurer, welcher dort ſein Glück ſuchte, ward kläglich heimgeſchickt. Ein gewiſſer Locatelli oder Bondanelli,— denn ſein Name iſt nicht zu ermitteln, aber gewiß war auch er ein Jünger der gangbaren Künſte ſeiner Heimath— kam, angeblich durch Privatverhältniſſe aus Frankreich ver⸗ trieben, i. J. 1733 unter falſchem Namen nach Rußland, und ſuchte anderweitiges Unterkommen, da er in Petersburg noch kein Verlangen nach Theatergenüſſen überhaupt, ge⸗ ſchweige denn nach italiäniſcher Kunſt, vorfand. Als Glied der gelehrten Reiſegeſellſchaft La Croyères nach Kaſan ver⸗ ſchlagen, ward er von dem dortigen Gouverneur als ver⸗ dächtig angehalten, unter vielfachen Unbilden und ſchmäh⸗ licher Behandlung von Soldaten und Unterbeamten gut moskowitiſch zuruͤckgeſchickt, und, nach einer Unterſuchung vor dem Senate, als Landesverwieſener rein ausgeplündert über die Grenze befördert. Der Italiäner, eine heftige Natur im Gepräge Caſanova's, entledigte ſich ſeiner Galle über das ungaſtliche Scythien in den ſogenannten Lettres Mosco- vites, welche i. J. 1736 in Paris erſchienen, und die Er⸗
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