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der erſten Hälfte des XV. Jahrhunderts im Norden boten der Kurie, ſei es in Rom oder Avignon, und mit ihr der Geiſtlichkeit ein unbegrenztes Feld, unſere abergläubiſchen, frommen Vorfahren unerbittlich zu brandſchatzen; päpſtliche Legaten, Nuntien, Commissionarii, Poenitentiarii, Ju-
dices delegati, Ablaßhändler in zahlreicher Form, Episcopi
und Abbates provisi durchzogen, zumal während des großen Schisma's, die Mittelländer Europa's von einem Ende zum andern, und führten den Raub an frommer Dummheit lachend über die Alpen heim. Deutſchland, Polen, Böhmen, Ungarn, die Niederlande und auch Frankreich waren zur Zeit des Concils von Piſa und Koſtnitz heuſchreckenmäßig heimgeſucht von dieſen kaufmänniſch kargen und hartherzigen Boten der Kirche; über den Sorgen, die kirchliche Spaltung zu heilen, verarmte Kaiſer Siegmund. Dieſe unerläßliche Beſchatzung der Chriſtenheit dauerte das Jahrhundert hin⸗ durch fort, ſelbſit als der raſchere Aufſchwung der Künſte und Wiſſenſchaften in Italien, das Erblühen der neueren Philologie, die kriegswiſſenſchaftliche Theorie, welche die
Signorenkämpfe Italiens ausbildeten, und die klügere Fi⸗
nanzkunſt den Lehrern ein neues, weites, vielbetretenes Stadium eröffneten, um zumal Deutſchen, Franzoſen, Eng⸗ ländern ein erkleckliches Lehrgeld abzuverdienen. Unter die vielgeſtaltigen Abenteurer geiſtlichen Standes, welche in Deutſchlaud um die Mitte des XV. Jahrhunderts ihr Glück ſuchten, und das höchſte fanden, gehört der weltgewandte Piccolomini aus Siena, bekannter unter dem gelehrten Prunknamen Aeneas Sylvius, nachher Papſt Pius II. Die ſpätere päpſtliche Heiligkeit hat aber urkundlich in Deutſchland und anderwärts ein Leben geführt, welches dem unſeres profanen Venetianers ziemlich ähnlich iſt. Der Signore Abbate lernte das fremde Treiben in den Haupt⸗ ſtädten, ſelbſt in den damaligen Bädern, gründlich kennen; im Gefolge hoher Fürſten der Welt und der Kirche gewann er eine großartige Betrachtungsweiſe der Gegenwart, und ſeine Liebesabenteuer waren ſo ernſtlich, daß er mit Genug⸗ thuung an den Cardinal von Como die Geburt eines Sohnes, ſeines vierten Kindes, meldete, ihn zum Gevatter lud und
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