Teil eines Werkes 
18. Bd. (1851)
Entstehung
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niſſe. Sind jedoch ſeine Memoiren nur zur Unterhaltung erfunden, erlogen, ſo bleibt Caſanova als Erfinder und Lügner, und als nach dem Leben treffender Charakterzeichner ſeiner Zeit und ſeiner Zeitgenoſſen, noch immer einer der größten Schriftſteller, die je erfunden und gelogen haben. Sind aber ſeine Memoiren, was ich glaube, wahr(das heißt: in dem durch Göthe bekannt gewordenen Sinne ſelbſt⸗ biographiſcher Wahrheit und Dichtung), ſind ſte wahr, und hat der wunderbare Menſch alles dies wahrhaftig erlebt, was er mit ſeiner bezaubernden Feder wie aus raſchen Er⸗ innerungen glänzend hinwirft, ſo iſt er der größte Welt⸗ mann, den das moderne Zeitalter hat geboren werden ſehn! Etwas Außerordentliches bleibt immer an ihm.

Den größten Weltmann neuerer Zeiten habe ich ihn genannt, und möchte ihn zugleich einen Ritter nennen. Einen Ritter des Weltlebens, einen Ritter und einen Sieger. In einer unchevaleresken Zeit, in einer trägen bürgerlichen Epoche ſeines Jahrhunderts, war er der Mann der Avantüre, der auf dem Schauplatz des ganzen civiliſirten und unciviliſirten Europa mit der ſiegenden Macht der Perſönlichkeit erſchien, überall ſogleich der Mittelpunkt der intereſſanteſten Bezie⸗ hungen wurde, als Held des Tages ſich der Meinungen und der Gemüͤther bemächtigte, und die Rolle, die er übernom⸗ men, jedesmal auf eine ritterliche Weiſe zu Ende brachte. Die Blüthe der Mannhaftigkeit, die mit kräftigen Sieger⸗ armen jedes Genuſſes ungeſtraft ſich verſichert, ging zu einer ſonnigen Geſtalt in ihm auf. Lebensmuth, Eitelkeit, Leiden⸗ ſchaft und Wißbegierde waren die windſchnellen Roſſe, die ihn ſchnaubend und mit verhängten Zügeln durch die ganze Welt von dannen trugen, ohne daß er mitten im Raſen und Stürmen jemals die edle Haltung des Ritters verloren hätte. So iſt er mir immer wie eine in der Klarheit des Weltmanns ausgeſöhnte Miſchung von Don Juan und Fauſt vorgekommen! Die Kritiker haben in neuerer Zeit viel von der Verwandtſchaftlichkeit beider Mythen geſprochen, während ich dabei immer an Caſanova gedacht, der als der Weltmann beider Richtungen daſteht, und mit der Klug⸗