98
Mannes, als erzuͤrnt darüber; als ſie aber erfuhr, daß er mit dem wenigen Gelde, welches ihm geblieben, eine Bank in einem Kaffeehauſe lege, ließ ſie ihm ſagen, das ſei nicht das Mittel, ſich bei ihr zu empfehlen, und ſie könne ihn nicht mehr zu ihrem Attaché machen. Die ruſſiſchen Hof⸗ leute huteten ſich jetzt ebenfalls, ihn ſich zu attachiren. Er reiſte nach Berlin*). Ich werde mit dem Könige ſprechen, ſagte Caſanoya zu ſich; ich werde von Algarotti ſprechen, als ob ich ihn kenne; ich werde ſchlecht von der deutſchen Literatur ſprechen, welche ich ebenſowenig kenne und liebe; ich werde ihn um eine Stelle bitten. Er kömmt an, läßt ſich dem Könige als den Venetianer, der aus den Bleidächern entflohn, vorſtellen, und ſpricht lange mit ihm. Aber, ſagte Friedrich der Große zu ihm, iſt dieſe Geſchichte auch wahr? — Wahr! Jeder Andre, als Ew. Majeſtät ſollte eine ſolche Frage nicht ungeſtraft an mich richten; ich habe nie gelo⸗ gen.— Sie muͤſſen Ihr Vaterland verabſcheuen?— Durch⸗ aus nicht.— Hierauf traktirte er den König mit endloſen Paradoxren über die Regierungen und die Geſetze. Die klaſſiſchen Schriftſteller, in denen ich nie Jemand mehr be⸗ wandert, als ihn geſehn habe, mußten alle her halten. Einen Augenblick ſchien es, als ob er bei Friedrich dem Großen eine gute Aufnahme finden würde; aber er läßt es ſich beikommen, zu ſagen, Maupertuis ſei kein großer Phy⸗ ſtker, d'Alembert kein großer Geometer, Voltaire kein gro⸗ ßer Dichter, d'Argens kein großer Philoſoph, Lamettrie ein ſchlechter Arzt, Labeaumelle ein ſchlechter Kritiker, Diderot ein ſchlechter Schriftſteller und König ein Pedant.
Der König fand, daß dies nicht ſein Mann ſei; aber er ſagte zu ſich: Suchen wir ihn zu verwenden; er hat viel Geiſt und Kenntniſſe; vielleicht iſt er für eine meiner An⸗ ſtalten zu gebrauchen. Er läßt ihn am folgenden Tage ru⸗ fen.— Haben Sie Geduld und Ordnungsſinn?— Sehr wenig, Sire.— Und Geld?— Gar nichts.— Deſto beſſer, Sie werden dann mit geringem Gehalte zufrieden ſein.—
*) Man darf nicht vergeſſen, daß der Fürſt von Ligne aus dem Gedächtniſſe eitirt.
.
4


