Teil eines Werkes 
18. Bd. (1851)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

20

hören, wie wir zum Ewigen für unſre Brüder, die Chriſten, beten.

Das heißt für ihr Heil, wie Sie es verſtehn. Das Gebet iſt auf Ihren Lippen, aber das Herz iſt voll Läſte⸗ rungen und Flüche; Ihre Mäßigung iſt nur ſcheinbar, ſie beweiſt Ihre Geſunkenheit und Schwäche. Geben Sie zu, daß Sie uns verabſcheuen oder ich laſſe Sie ausſteigen. Der arme Jude machte den Mund nicht mehr auf.

Ich ſchämte mich dieſes Ausfalls und um mich zu ent⸗ ſchuldigen, ſagte ich: Ich bin Ihnen nicht böſe; Sie haben dieſe Abneigung beim Leſen des alten Teſtaments einge⸗ ſogen, welches den Juden beſiehlt, die Feinde unter allen Umſtänden zu haſſen und ihnen möglichſt viel Böſes zu thun. Vor Erſtaunen machte er große Augen und mit ſeinem Kopfſchütteln, denn er wagte nicht mehr zu ſprechen, ſchien er mir ſagen zu wollen: Unſere Religion befiehlt uns das nicht.

Nun gut, ſo geben Sie mir Ihre Hand und ſagen Sie mir Ihren Namen.

Mardochai.

Wolan, Freund Mardochai, haben Sie Kinder?

Fünf Knaben und ſieben Mädchen.

Ich werde bei Ihnen wohnen, ſo lange ich in An⸗ cona bleibe.

Die Familie des ehrlichen Israeliten behandelte mich wie einen Patriarchen. Um ſie für dieſe gute Aufnahme zu belohnen, traktirte ich ſie mit Cyperwein; ich hatte den

venetianiſchen Conſul darum gebeten, einen Mann von altem

Schlage, der ohne mich zu kennen und auf meinen bloßen Ruf hin ſich viel mit mir beſchäftigt hatte und ſehr wünſchte mich kennen zu lernen. Dieſer gute Conſul war luſtig wie ein Pantalon und grotesk wie ein Polichinell; er war ein vollendeter Diplomat, und ſeine Fähigkeiten nutzten ſich in einer zu geringen Sphäre ab; da er ein feiner Weinſchmecker war, verſchaffte er mir ächten Scopolo⸗Wein; er fiel wie aus den Wolken, als er erfuhr, daß die bachiſche Flüſſig⸗

keit für einen Juden beſtimmt ſei. Dieſer Mardochai, ſagte