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. welche deren Eintracht geſtört werde; daraus folge, daß
jede Familie irgend ein Geheimniß zu bewahren habe; der Klugheit des Familienhauptes liege es ob, dafür zu ſorgen, daß dies Geheimniß nicht bekannt werde, denn Niemand diene der unwiſſenden, boshaften und nach Skandal lüſter⸗ nen Neugier gern zum Gegenſtande des Geſpöttes. Der Marquis, der ſo ziemlich vom Alter ſeiner Frau war, ſchien zwanzig Jahre älter zu ſein; er war kalt von Natur, methodiſch durch Erziehung und fand nur am Studium Geſchmack; das Studium war ſeine Leidenſchaft und ſein Steckenpferd, denn er ſtand nicht auf jener geiſtigen Höhe und hatte nicht jene Sicherheit des Urtheils, welche dieſer Leidenſchaft, wie jeder andern, ihre nothwendigen Gränzen zieht. Er hatte eine Akademie gegründet, der er präſidirte, und der er oft ſogar in Abweſenheit ihrer Mitglieder präſidirte. Er liebte in dieſer Eigenſchaft ſehr die Berichte, Protokolle und Reden; ohne den gefälligen Beiſtand der Marquiſe würde er mich mit ſeinem Vorleſen erdrückt haben. In ſeinem Familienwappen hatte er eine Fliege angebracht, mit folgendem lateiniſchen Spruche: Deme C. Es war dies eine Anſpielung auf ſeinen Familiennamen; wenn man von dem lateiniſchen Worte musca das e wegnahm, ſo blieb musa übrig. Solche Albernheiten beſchäftigten ihn ſehr; ſeine vortreffliche Frau lächelte dazu und zuckte die Achſeln. Der einzige Fehler, in welchem der Marquis bis zum Ueber⸗ maaße ging, war die Frömmigkeit und Orthodoxie; er war ein ſtrenger Katholik. Er ſchmeichelte ſich, nie die Gränze überſchritten zu haben, jenſeits welcher nequit consistere rectum. Es bleibt nur die Frage, ob es nicht ſchlimmer iſt, dieſſeits der Gränzlinie zu bleiben, als ſie zu überſchrei⸗ ten. Ich unwürdiger Menſch mache keinen Anſpruch, die Frage zu entſcheiden. Die größten Geiſter, die umfaſſend⸗ ſten Intelligenzen haben in dieſer Beziehung immer eine ſehr bedeutungsvolle Zurückhaltung an den Tag gelegt. Horaz hat irgendwo geſagt: Nulla mihi est religio*) und den⸗ noch zieht er in einer ſeiner ſchönſten Oden gegen die Phi⸗ *) Ich habe keine Religion. XVIII. w 2


