Teil eines Werkes 
18. Bd. (1851)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

1EE

14

zehn Uhr nehme ich von den Damen Abſchied und anſtatt auf die Straße zu gehn, klettere ich zur Bodenkammer hin⸗ auf, deren Thür mir die Himmelsthür zu ſein ſchien. Nach einer Stunde höre ich Geräuſch auf dem Gange. Ich zweifle nicht mehr, daß das junge Mädchen da iſt und ſchicke mich an, ihr zu öffnen. Aber ein Schlüſſel wird ins Loch ge⸗ ſteckt, und krik krak bin ich eingeſchloſſen. Offenbar hatte

mich der kleine Geiſtliche angeführt und ich gelobte mir,

ihn auf eine exemplariſche Weiſe zu züchtigen. Einſtweilen richtete ich mich ein, die Nacht ſo bequem wie möglich in dieſem Loche zuzubringen, welches einen betäubenden Ge⸗ ſtank aushauchte, und ich war nicht wenig in Sorge, wie ich wieder herauskommen ſolle. Einen Augenblick darauf klopft man an der Thür und ich erkenne die Stimme mei⸗ ner Schönen. Aber was ſoll ich ihr ſagen? Ich bitte ſie, mir ihren guten Willen für die nächſte Nacht aufzuſparen,

und ſie antwortet mit lautem Lachen. Leſer, bewundere

meine Verblendung! Es fiel mir gar nicht ein, daß Vis⸗ cioletta die Mitſchuldige des Geiſtlichen ſein könne, der mich in dieſen Hinterhalt gelockt hatte. Da meine Lage lächer⸗ lich war, fand ich dieſen Ausbruch der Heiterkeit ſehr na⸗ türlich. Nach einer ſehr unangenehmen Nacht gelang es mir gegen Morgen, die Thür zu öffnen oder vielmehr zu

zerſtören. Ich weckte meinen Nachbar, der von nichts wiſſen wollte. Als ich nach Hauſe kam, legte ich mich ins Bett

und ſchlief bis zum Abend. Als ich wieder zu Viscioletta komme, finde ich die Tante in unbeſchreiblicher Aufregung. Sie erzählt mir, daß in der vorigen Nacht Diebe ins Haus gedrungen ſeien und ihre Speiſekammer geplündert haben und daß ſie die ganze Nacht aufbleiben wolle. Ich werde für Sie wachen, ſage ich, und ſchleudere der Nichte einen Blick zu. Die gute Dame bereitete mir ein Bett neben dem ihrigen. Ich erklärte ihr, daß ich um Mitternacht eine Runde im Hauſe machen würde, und ſie ſchlief ruhig ein. Sogleich ſchleiche ich in das Zimmer der Kleinen und gehe auf ihr Bett los; es lag Niemand darin. Da ich vermuthe, daß ſie in der Bodenkammer ſei, zu welcher ich ihr den Schlüſſel gegeben, ſo gehe ich hinauf. Ich klopfe

G-