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hatte ſich mit ihrer Tochter Adelaide, die zwölf Jahre alt und von vollendeter Schönheit war, in Bologna niederge⸗ laſſen. Die Soari fand in Bologna ihren Mann wieder, den ſie ſeit beinahe funfzehn Jahren aus den Augen ver⸗
3 loren, und ſtellte ihm Adelaide als ein Gut vor, von wel⸗
chem er ſeinen Antheil fordern könne. Wenn Du die Daten berückſichtigſt, kann dies Mäd⸗ 4. chen nicht meine Tochter ſein, ſagte der gutmuͤthige Mann. Warum nicht, Einfaltspinſel, wenn ich ſie Dir als ſolche vorſtelle? Erfahre, daß ſie ein Einkommen von zwei⸗ tauſend Thalern hat, welches ich bis zur Zeit ihrer Hei⸗ rath beziehe. 4— Warum ſagteſt Du das nicht eher? Du wirſt alſo von nun an ihr Mentor und Füͤhrer ſein und ſie in die Welt einführen.— Unter welchem Namen ſoll ich ſie vorſtellen? Unter dem Deinigen, da es Deine Tochter iſt und Deine frau ſie Dir giebt. Ich verſtehe nicht recht. wirſt etwas reiſen müſſen, um Dich zu bilden, haſt Deine urſprüngliche Dummheit noch nicht
verloren. e. Alles erwogen, war die Soari nicht ſchaamloſer als — das religiöſe und bürgerliche Geſetz, welches ſagt: Is pater eest quem nuptiae demonstrant, was bedeutet, daß man immer der Sohn ſeiner Mutter iſt. Da ich Zeuge dieſes erbaulichen Zwiegeſprächs war, ſo bat ich um eine Gunſt, welche Soari nicht annehmen zu wollen ſchien, und verpflichtete mich, die Anlagen zu entwickeln, welche Adelaide haben mußte; aber die Mama antwortete, ſie fürchte, ihre Tochter werde bei mir zu raſche Fortſchritte machen. Adelaide wurde das Wunder von Bologna. Zwei Jahre nach meiner Abreiſe bot der Graf Jean Dubarri, der Bruder der Favorite, als er durch Bologna kam, der Soari hunderttauſend Thaler für ihre Tochter. Die Mutter, welche auf etwas Beſſeres hoffte, wies das Anerbieten des Gra⸗ fen zurück, der Adelaide entführte. Nach drei Wochen ließ er ſie laufen. Fünf Jahre ſpäter fand ich die ſchöne Ade⸗


