einſt in Venedig die Geliebte Marcellos geweſen war; ſie
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Mutter verlangte Genugthuung vom Biſchofe und erbot
ſich zu beweiſen, daß man ihr eignes Kind mit dem todt⸗ gebornen Kinde Nina's vertauſcht. Dieſer Skandal beun⸗
ruhigte die Maitreſſe des Grafen nicht, ſie drohte dem Kar⸗ dinale mit ihrer Rache; aber endlich mußte ſie einem Be⸗ 3 fehle des Papſtes gehorchen, der ihr gebot, die Stadt zu verlaſſen. Die verbrecheriſche Hebeamme zog ſich durch mächtige Beſchützer aus der Sache; man gab ſogar eine anonyme Brochüre heraus, in welcher der Verfaſſer zu be⸗
weiſen ſuchte, daß der Biſchof ſtrafwürdig ſei, weil er eine Bürgerliche zur beſchimpfendſten Strafe verurtheilt, ohne
die Formen des Kriminal⸗Verfahrens beobachtet zu haben.
Man ſtellte hier die Hebeamme als das unſchuldige Opfer
einer perſönlichen Rache dar, und forderte ſte endlich auf,
eine Beſchwerde beim päpſtlichen Hofe einzureichen, um Ge⸗ nugthuung zu erlangen.
Der Kardinal veröffentlichte ebenfalls eine kleine Schrift, in welcher er das Benehmen der Mitſchuldigen Ninas aus⸗ einanderſetzte; er bewies, daß dies nichtswürdige Weib ches mit dem Auspeitſchen davon gekommen, die ſtrafe verdient, und daß ihr dieſelbe ſchon wegen af Miſſethaten zu Theil geworden ſein würde, wenn ihn nicht V
die Ehre einer der erſten bologneſiſchen Familien gehindert hätte, ein erwieſenes Verbrechen den Gerichten zur Unter⸗ ſuchung yYorzulegen. Er fügte hinzu, in den Akten der Kanzlei befänden ſich die offenbarſten Beweiſe von Aborten, welche die ſtrafbaren Mütter mit dem Leben bezahlt; er ſprach von der Vertauſchung todter und lebender Kinder, von Unterſchiebung eines Knaben an Stelle eines Mädchens, welcher jetzt im Beſitze einer unrechtmäßigen Erbſchaft ſei; 5 das genügte, um die Beſchützer der Hebeamme zum Schwei⸗ gen zu bringen, denn alle jungen Leute, deren Mütter ſie entbunden, fürchteten Entdeckungen, welche die Rechtmäßig⸗ keit ihrer Geburt hätten verdächtig erſcheinen laſſen können. Zur ſelben Zeit ſah ich die Tänzerin Marucci, welche faſt gleichzeittg mit mir aus Spanien verbannt worden war. Ich fand auch die Signora Soari wieder, welche


