Teil eines Werkes 
17. Bd. (1851)
Entstehung
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ELerne doch f

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Monſignores von hübſchen Jungen. Ich erinnere mich, daß zur Zeit meines Aufenthalts in Paris eine junge Pa⸗ duanerin, deren Beichtvater er war, ihm in der Beichte ge⸗ ſtand, daß ihr Mann ſich gegen ſie gewiſſe Freiheiten ge⸗ ſtattet habe, welche im Geſetzbuche der Ehe ſtrenge verbo⸗ ten ſind. Der wollüſtige Kardinal hielt ſein Beichtkind lange bei dieſem ſchlüpfrigen Gegenſtand feſt. Ehe er ihr die Abſolution ertheilte, wollte er die umſtändlichſte Aus⸗ kunft haben. Bei jeder Mittheilung, die ſte ihm machte, rief er verzehrt von Begierde aus: Das iſt ſchrecklich, un⸗ geheuer! O, meine Tochter, Sie haben eine abſcheuliche Sünde begangen, aber hübſch iſt es doch.

Ich habe noch ein anderes Abenteuer zu erzählen, deſſen Held er iſt, und von welchem ich Zeuge war, ein Abenteuer, das, wie unſchuldig es auch ſein mochte, den⸗ noch großen Anſtoß erregte. Während der heiligen Woche nahm Brancaforte mit ſeinem Secretair, dem Abbé Bar⸗ netti, die Beichte ab. Eines Tages ſah er zu ſeinem gro⸗ ßen Erſtaunen eine Dame unter Thränen aus Barnetti's Beichtſtuhl ſtürzen und ſich ihm zu Füßen werfen. Die Aufregung der Dame rührte daher, daß ihr die Abſolution verweigert worden war. Sie hatte ſich angeklagt, daß ſie ihren Gemahl ſeine Rechte hatte in einer Stellung gebrau⸗ chen laſſen, welche in den Statuten der katholichen Kirche

ſtrenge verboten iſt. Der Abbé Barnetti, der unſchul⸗

digſte und beſchränkteſte der Menſchen, der übrigens ſtock⸗ taub war, hatte falſch gehört oder falſch verſtanden und glaubte, ſein Beichtkind habe ſich der hübſchen Sache ſchuldig gemacht und ſchickte ſie deswegen ohne Abſolution weg. Nach einer ziemlich lange dauernden Beichte kam Brancaforte hinter die Wahrheit, und da er die Sache ſehr unſchuldig fand, ſtürzte er wie ein Wüthender aus ſeinem Beichtſtuhle, ging auf Barnetti los, der den ſeinigen ver⸗ laſſen hatte, und ſchri ihm in die Ohren:

Swa, dummes Vieh, es war ja ganz richtig.

Ich hatte die Abſicht, das ruhige und zurückgezogene

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