Teil eines Werkes 
17. Bd. (1851)
Entstehung
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Beim Weggehn begegne ich Medini auf der Treppe. Er hatte dieſelbe Aufforderung bekommen und wollte nach dem Grunde fragen. Ich ſagte zu ihm: Man wird Ihnen wie mir antworten: Wenden Sie ſich an den Herzog.

Wie! Auch Sie haben einen ſolchen Befehl bekom⸗ men! Was haben Sie denn gethan?

Nichts! 2*

Auch ich nicht! Reiſen wir zuſammen nach Piſa?

Nein. Ich gehe nach Bologna.

Vor meiner Abreiſe ſchrieb ich an den Großherzog fol⸗ genden Brief:

Jupiter hat Ihnen ſeinen Donnerkeil übergeben, um in Ihrem kleinen Staate die verderbten Menſchen, nicht aber die Unſchuldigen damit zu ſchlagen. Wenn Sie mich un⸗ gerechter Weiſe zerſchmettern, ſo mache ich es wie Chri⸗ ſtus, ich verzeihe Ihnen, weil ich wie er ſage: Sie wiſſen nicht, was Sie thun. Der Vorſtand Ihrer Polizei hat mir allerdings geſagt, es ſtände mir frei, mit meiner Reclama⸗ tion an Ew. Hoheit zu gehn; aber der Himmel ſoll mich bewahren, einen ſolchen Schritt zu thun; er könnte nur einem Fürſten mißfallen, der vergißt, daß es ſeine Pflicht iſt, den Schuldigen zu hören, ehe er ihn verdammt.

Von Fräulein Denis erfuhr ich, daß der Auswei⸗ ſungsbefehl ſich auch auf die Tänzerin und einen kleinen bucklichen Abbé, der bei ihr ſchlief, erſtrecke. Der Herzog hatte alſo in einem Augenblicke übler Laune und auf Ver⸗ anlaſſung des Unglücks des jungen Lords die Ausweiſung der Venetianer in Maſſe verfügt. Deſſen Gouverneur, den ich von meiner Abreiſe in Kenntniß ſetzte, theilte mir mit, daß Se. Hoheit den Lord aufgefordert, ſeine Verluſte nicht zu zahlen, daß aber dieſer, der ein ſehr feines Gefühl für den Ehrenpunkt hatte, geantwortet, es ſei unanſtändig, ſeine Schulden, beſonders aber Spielſchulden, nicht zu bezahlen.

Am Sylveſterabend ſtieg ich im Gaſthofe zum heiligen Marcus in Bologna ab. Nach einem Beſuche der Vorſicht beim Grafen Mariotti, toskaniſchen Geſchäftsträger, begab ich mich zum Kardinal⸗Legaten Brancaforte. Ich hatte ihn

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