Teil eines Werkes 
17. Bd. (1851)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

136

wo möglich ſeine Vergnügungen zu theilen, damit der junge Menſch nicht in zu ſchlechte Geſellſchaft gerathe. So wur⸗ den alſo meine Studien unterbrochen, und mein Lebensplan über den Haufen geworfen. Aus reiner Freundſchaft für den Grafen machte ich mich für einige Zeit zum Genoſſen der Ausſchweifungen meines Zöglings. In den Geſell⸗ ſchaften, welche wir beſuchten, fand ich auch den Grafen Medini, dieſen unerſchrockenen Beſucher ſchlechter Kneipen, deſſen ſich die Leſer vielleicht noch erinnern. Eines ſchönen Morgens nahm er mein Mitleid in Anſpruch; er hatte kein andres Anrecht darauf, als daß er mich genöthigt, ihn wegen ſeiner übergroßen Geſchicklichkeit im Spiele zu züch⸗ tigen. Indeß erregte ſeine Lage mein Mitleid und ich war geneigt, ihm zu helfen, wenn er mir irgend eine Garantie böte. Er zeigte mir einen ungeheuren Papierſtoß, auf wel⸗ chen er große Hoffnungen ſetzte; es war eine Ueberſetzung der Henriade in italiäniſcher Sprache. Ich las einige Stücke, die mir ziemlich gut ſchienen; der Ausdruck war klar und reich; die Satzbildung einfach und harmoniſch. Medini beabſichtigte die letzte Hand an ſein Werk zu legen und es dann dem Großherzoge zu widmen. Durch dieſe Widmung hoffte er zu Ehre und Geld zu kommen. Ein zweifelndes Lächeln war meine Antwort, Leopold hatte keine Neigung für die Literatur und ſchönen Künſte; für ihn war jene nur eine Zuſammenſtellung von Vokalen und Kon⸗ ſonanten, welche die Aufmerkſamkeit eines ernſten Manues und beſonders eines Fürſten nicht zu feſſeln verdiene. Zu⸗ weilen beſchäftigte er ſich mit Naturgeſchichte; er war einer von jenen tauſend Potentaten, welche in die ſo zahlreiche Klaſſe der Leute, die nicht leſen können, geſetzt werden müſſen. Entſchiedene Neigung hatte er nur fürs Geld und die Frauen.

Ich erklärte Medini, ſeine Ueberſetzung würde ihm Ehre machen und könnte gewinnbringend für ihn werden; aber es ſei mir nicht möglich, ſie als Bürgſchaft für das Geld, deſſen er bedürfe, zu nehmen. Bei dieſen Worten faßt er mich beim Kragen, ich ſpringe ihm an den Hals, werfe ihn nieder und bringe ihn hinaus. Weiter ging meine Rache