130
vater biſt, verſetze Dich an meine Stelle und denke Dir meinen Zuſtand. Was konnte ich auf eine ſo natürliche und doch ſo grauſame Bemerkung erwiedern? Wäre der Florentiner in der Loge geblieben, ſo hätte ich ihm den Hals umgedreht. Da ich mir dieſe Genugthuung nicht ver⸗ ſchaffen konnte, ſo biß ich ſchweigend in den Zügel; da ich es aber bald nicht mehr aushalten konnte, ſo ſagte ich zu den beiden jungen Mädchen: Gehen wir. Sie ſahen ſich einen Augenblick an, ohne ein Wort zu ſagen und folgten mir ohne Zögern. Ich glaubte mir eine Erleichterung ver⸗ ſchafft zu haben, aber ich hatte mir eine neue Laſt auf die Bruſt gelegt, die Laſt eines unhöflichen Benehmens. Ich verſuchte eine Erklärung.
Können Sie ſich denken, weshalb ich mit Ihnen weg⸗ gegangen bin.
Mein Gott, nein.
Das iſt doch ſehr einfach; vor der Thür hatte man uns in den Wagen der Fürſtin ſteigen ſehn.
Es würde doch nicht das erſtemal ſein.
Sehr richtig, aber man könnte doch darüber ſprechen.
Wir verſtehen das nicht.
Weil Sie nicht verſtehn wollen. Uebrigens werden wir den Schluß des Stücks morgen ſehn.
Es war zehn Uhr; ich führte ſie zum Abendeſſen und um meine üble Laune in Vergeſſenheit zu bringen, ſprach ich mit ihnen vom Ball. Das war die allgemeine Krank⸗ heit der römiſchen Mädchen und die Kloſterbewohnerinnen waren auch nicht frei davon. Es iſt bekannt, daß Pius VI. dies Vergnügen während der zehn Jahre ſeiner Regierung verboten hatte. Er geſtattete jedoch die Ausſchweifung und Proſtitution, Hazardſpiele, die Ausgelaſſenheit des Karna⸗ vals; aber er verbot das Tanzen. Sein Nachfolger that gerade das Gegentheil. Er ließ ſeine Unterthanen und ver⸗ muthlich ſeine Unterthaninnen ſpringen, ſo viel ſie wollten. Ich verſprach alſo meinen Freundinnen, ſie auf den Ball zu führen, ſobald ich in einem entfernten Viertel eine Tanz⸗ geſellſchaft gefunden hätte, wo ich ſie anſtändiger Weiſe und ohne daß ſie erkannt zu werden fürchten müßten, vorſtellen


