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Ihre Religion iſt den Sinnen weit feindſeliger als ſie ſein darf. Wenn übrigens Ihr Gewiſſen Sie über dieſen Punkt in Ruhe läßt, fürchten Sie nicht des Vandalismus beſchuldigt zu werden? In Venedig hätten die Staats⸗ inquiſitoren und ſelbſt der ſchreckliche Barbarigo Sie wegen eines ſolchen Streichs unter die Bleidächer gebracht. Der Wunſch, in den Himmel zu kommen ſoll nicht zur Zer⸗ ſtörung der Meiſterwerke der Kunſt führen, welche die Seele erheben und ſie der Gottheit nähern. Sehen Sie, ich bin überzeugt, daß der heilige Lukas Sie in dieſem Augenblicke bei der heiligen Jungfrau anklagt.
Warum der heilige Lukas, mein Herr?
Wiſſen Sie nicht, daß er Maler war und die heilige Jungfrau mit nur drei Farben gemalt hat, ein wahres Wunder.
Mein Herr, ich bin nicht gewohnt, mich mit Andern über meine Handlungen zu berathen. Ich leſe jeden Tag die Meſſe vor dieſem Altar und ich nehme keinen Anſtand zu bekennen, daß der Anblick dieſes Gemäldes mir gefähr⸗ liche Zerſtreuungen zuzog und alle meine Sinne verwirrte.
Mit einer Barſchheit, die ich mir zum Vorwurf mache, denn ſie hatte nichts Liebevolles, ſagte ich:
Wer zwang Sie denn, ſie anzuſehn?
Ich blickte wider meinen Willen zu ihr auf.
Sie mußten dann thun, was Origenes that, qui se castravit propter reginam coelorum. Sie wiſſen genug Latein, um ſich das überſetzen zu können. Glauben Sie mir, theurer Abbé, wenn Sie dem Heiligen nachgeahmt hätten, würde das, was Sie opferten, weniger werth ge⸗ weſen ſein als das Bild.
Sie beleidigen mich, mein Herr.
Das iſt nicht meine Abſicht; das Intereſſe der Kunſt wie das Ihrige hat mich zu dieſem Schritte veranlaßt. Ich fordre Sie ernſtlich auf, Herrn Mengs zu bitten, daß er Ihnen eine neue Madonna mache; dies iſt das einzige Mittel, die Frömmigkeit Ihrer Kirchkinder wieder zu beleben.
Das werde ich nie thun.
Darauf ſtand der kleine Abbé von ſeinem Stuhle auf


