Teil eines Werkes 
17. Bd. (1851)
Entstehung
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ſtrenger und dummer war, das heilige Bild ſo hatte ent⸗ ſtellen laſſen. Er hatte Unrecht als Spanier, als Chriſt und namentlich als Spekulant, denn ſein unſinniger Streich drohte, ihn zu Grunde zu richten. Es kam kein Beſuch mehr zum Bilde, keine Kniebeugung, keine Andachtsver⸗ richtungen fanden mehr vor demſelben ſtatt; es gab alſo auch keine Geſchenke mehr. Ein Blödſinniger hätte dies eingeſehn; der neue Kaplan ſah es nicht ein. Mein Wunſch, die Menſchen zu beobachten und ſie über die Gründe ihrer Handlungen zum Sprechen zu veranlaſſen, brachte mich auf den Gedanken, dieſen Geiſtlichen zu beſuchen; ich ſtellte ihn mir ſeiner Handlung nach alt und düſter vor; aber zu mei⸗ nem großen Erſtaunen fand ich einen Abbé von kaum dreißig Jahren, von friſchem Teint, ſanften Augen und offner und ſprühender Laune. Er empfing mich lächelnd, und ehe er noch meinen Namen erfahren, bot er mir eine Taſſe Cho⸗ kolade an, welche ich annehmen zu müſſen glaubte. Ich ſchritt ſogleich zur Sache.

Mein Herr, als Freund von guten Gemälden muß ich Ihnen den Schmerz ausſprechen, welchen mir der Anblick der ſo ſchrecklich mißhandelten Madonna in Ihrer Kapelle San Geronimo verurſacht hat. Welcher Grund hat Sie zu dieſer Handlung bewegen können, deren erſte Opfer Ihre Armen ſein werden, denn die ſchöne Jungfrau war eine Quelle reicher Almoſen!

Das iſt möglich, mein Herr, aber gerade die Schön⸗ heit des Bildes machte es unfähig, die Mutter des Heilan⸗ des vorzuſtellen.

Ich hoffe, mein Herr, Sie werden der Jungfrau Maria nicht die Beleidigung anthun, ſie für häßlich zu halten.

Gewiß nicht; aber ſie trug ihre Vollkommenheiten nicht zur Schau.

Wiſſen Sie nicht, daß die größten Maler auf ihren Bildern immer gezeigt haben, was Sie auf dem Ihrigen verbergen?

Dieſe Maler haben Unrecht gethan. Mögen ihre Ge⸗ mälde lieber vernichtet werden, ehe ſie zu einer einzige Todſunde Anlaß geben!