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Madrid und begab ſich mit dem ganzen Hofe nach Aran⸗ juez. Herr von Mocenigo hatte mich aufgefordert, ihn zu begleiten, denn er wollte mich dem Monarchen vorſtellen. Aber den Tag vor unſrer Abreiſe bekam ich ein heftiges Fieber, welches mich ans Bett feſſelte. Am Charfreitage nahm ich, obwohl ich noch ſehr ſchwach war, einen Wagen und fuhr nach Aranjuez; als ich hier anlangte, war ich mehr todt als lebendig. In dieſem Zuſtande bekam ich folgenden Brief von Mengs:
„Ich muß Ihnen anzeigen, daß geſtern der Pfarrer meiner Gemeinde an die Kirchthüre die Namen derjenigen ſeiner Kirchkinder hat anſchlagen laſſen, welche nicht an Gott glauben und zu Oſtern nicht zum Abendmahl gegangen ſind; der Ihrige ſteh r Liſte. Der Pfarrer hat mich des⸗ wegen hart n n; er wundert ſich, daß ich einen Heiden unter aufgenommen. Sie hätten noch einen Tag in N eiben und Ihre Pflichten als Chriſt erfüllen ſollen, wäre es auch nur mir zu Liebe geweſen. Die Sorgen für meinen guten Ruf und die Sicherheit meiner Zukunft nöthigen mich alſo, Ihnen zu erklären, daß Ihnen mein Haus von jetzt an geſchloſſen iſt. Meine Be⸗ dienten werden Ihre Sachen demjenigen übergeben, den Sie zum Abholen derſelben ſchicken werden.“
Als ich dieſen unſchicklichen Brief geleſen, ſagte ich zum Ueberbringer, er könne gehn, wie er gekommen. Da er eine Antwort oder Beſcheinigung des Empfangs verlangte, ſo zerriß ich den Brief und ſagte, indem ich ihm die Stücke ins Geſicht warf: das iſt meine Antwort.
Sogleich laſſe ich mich in einer Sänfte nach der Kirche von Aranjuez bringen und beichte bei einem Kapuziner. Am folgenden Tage gehe ich zum Abendmahle und laſſe mir von ihm eine Beſcheinigung darüber geben. Dieſe Be⸗ ſcheinigung ſchicke ich dem Pfarrer und bitte ihn meinen Namen von der Liſte der Geächteten zu ſtreichen. Hierauf ſchrieb ich an Mengs:
„Ich habe den Schimpf verdient, den Sie mir anthun, da ich übel genug berathen geweſen bin, Ihnen die Ehre anzuthun, bei Ihnen eine Wohnung anzunehmen. Wie


