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grob indeß auch Ihr Benehmen ſein mag, ſo verzeihe ich es Ihnen doch, denn das iſt die Pflicht eines Chriſten, der vom Tiſche des Herrn kommt; aber erlauben Sie mir, Sie an einen Spruch zu erinnern, den alle Männer von Ehre auswendig wiſſen und den Sie allein nicht kennen: Tur. pius ejicitur, quam non admittitur hospes*).
Nachdem ich meinen Brief abgeſchickt, erzählte ich die Geſchichte dem Geſandten, welcher zu mir ſagte, Mengs ſei nur ſeiner Talente wegen geſchätzt, ſein Charakter ſei ſehr ungeſellig, und er gehe ganz in ſeinem Stolze unter. Wenn er Ihnen ein Aſyl angehoten, ſo hat er es aus reiner Eitel⸗ keit gethan, damit ganz Madrid glaube, man habe Sie aus Rückſicht für ihn, Mengs, mit ſolcher Auszeichnung be⸗ handelt.
Mengs ſprach vier Sprachen, abaz incorrekt, was er nicht zugeben wollte. Als er ein ees eine Bittſchrift an den König entwarf, hatte ich die te Mühe, ihn zur Aenderung der Ergebenheitsunterſchrift zu bewegen, in welcher er ſich el mas inelito nannte, denn er glaubte, dieſe Worte bedeuteten den Unterthänigſten, während ſie doch den Be⸗ rühmteſten bedeuten. Wegen des Dienſtes, den ich ihm bei dieſer Gelegenheit geleiſtet, hat er mir immer gegrollt. Wenn man an ihn ſchrieb, mußte man ſchreiben: An den Herrn Ritter von Mengs; gab man ihm den Adelstitel nicht, ſo antwortete er nicht. Er hielt auch ſehr darauf, daß man ſeine Vornamen aufführte und hatte für dieſe Forderung einen ſehr ſonderbaren Grund. Ich heiße Anton Raphael Mengs, ſagte er, und da ich Maler bin, ſo verweigern mir diejenigen, welche meine Vornamen auslaſſen, die Ehre, einen gemeinſamen Namen mit Anton von Correggio und Ra⸗ phael von Urbino zu führen, deren Vorzüge ich in mir ver⸗ einige. Im Geſpräche hatte er eine unerträgliche Angewohn⸗ heit, die, alle Sachen metaphyſiſch zu behandeln. Er hielt ſich fuͤr tief, weil er zum Wörterbuch der Allgemeinheiten, die ich immer nur für Gemeinplätze gehalten habe, ſeine
*) Es iſt ſchmachvoller, den Gaſtfreund hinauszuwerfen, als ihn nicht aufzunehmen.
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