Ich weiß, welche Achtung und Ehrfurcht ich Ihnen unter gewöhnlichen Umſtänden ſchulde; aber ich ſah mich außer dem Geſetze und dem Völkerrechte, und meine Heftigkeit iſt daher zu entſchuldigen.
Vielleicht; aber weit weniger zu entſchuldigen iſt die Meinung, welche Sie über meine Geſinnung hinſichtlich Ih⸗ rer faſſen zu können glaubten. Sie ſind ungerecht und rechtfertigen Ihren Ruf als Mann von Geiſt ſehr wenig.
Ich verbeugte mich, wie um ihm für ſein ſatiriſches Compliment zu danken.
Er fuhr mit weniger ernſtem Tone fort: Herr Caſa⸗ nova ſind Sie auch ganz ſicher, daß Sie ſich nichts vorzu⸗ werfen haben, und daß Sie die Geſetze der Regierung Sr. katholiſchen Majeſtät nicht verletzt haben, wie Sie be⸗ haupten?
Die Art, wie der Graf die letzten Worte betonte, er⸗ ſchreckten mich; die Erinnerung an das tragiſche Abenteuer
trat in blutigen Zügen vor meinen Geiſt. Der Graf be⸗ merkte meinen verſtörten Zuſtand und ſagte:
Faſſen Sie Muth; es iſt Alles bekannt und Alles Ihnen verziehn, weil Sie ſich wie ein würdiger und tapferer Mann benommen haben; Sie werden aber zugeben, daß der Schein mehr als hinreichend war, um Sie an den Galgen zu bringen. Uebrigens ſind Sie es nicht, der die ſchönſte Rolle in dieſer Angelegenheit geſpielt hat. Sie haben wie
ein Spanier gehandelt; aber die Sennora Dolores hat ſich wie eine Römerin benommen.
Was hat ſie gethan?
Sie hat Alles geſtanden.
Auf die Gefahr hin, mich ins Verderben zu ſtürzen?
Dies war das einzige Mittel, Sie zu retten; hätte ſte Sie gänzlich vom Verdachte reinigen wollen, ſo würde ſi den Glauben an Ihre Mitſchuld erregt haben, denn Sie
waren geſehn worden. Der Kavalier, den die Sennora ge⸗ tödtet hat, war ein ziemlich ſchlechtes Subjekt; eine ſolche That verdiente indeß eine Strafe, und ſie würde ſchrecklich geworden ſein, wenn das Publikum Kenntniß von der Sache bekommen hätte; aber das Geheimniß, mit welchem die That
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