Teil eines Werkes 
17. Bd. (1851)
Entstehung
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und noch mehr die Beweggründe des jungen Mädchens be⸗ deckt blieben, waren ein Grund zur Nachſicht. Dolores iſt frei, und ihre Familie hat mit ihr den Boden Spaniens verlaſſen; ich habe nicht nöthig, Ihnen Geheimhaltung die⸗ ſer ganzen Geſchichte zu empfehlen, denn Sie ſind ſelbſt am Meiſten dabei betheiligt.

Ich war in Verſuchung, mich dem Grafen zu Füßen zu werfen; aus meiner Aufregung mußte er ſehn, wie leb⸗ haft mein Dankgefühl war.

Vom Miniſter begab ich mich zu Herrn von Rojas. Da ich noch unter dem Einfluſſe des eben vorgegangenen Auftritts ſtand, ſo verbarg ich ihm nicht meine Empſindung für Se. Excellenz. Herr von Rojas, der den wahren Grund nicht vermuthen konnte, ſagte etwas barſch: 1

Wie! Man drillt Sie und Sie bedanken ſich!

Man hat mir Gerechtigkeit widerfahren laſſen, und ich( hege keinen Groll; welche andere Genugthuung konnte ich

auch wohl fordern?

Zunächſt die Abſetzung des Alcaden und ſodann eine ſtarke Geldentſchädigung.

Der Alcade hat ſeine Anweiſungen überſchritten; das gebe ich zu; aber er iſt mehr ungluͤcklich als ſtrafbar ge⸗ weſen; was die Entſchädigung betrifft, ſo würde ich mich ſchämen, wenn ich mir meine ausgeſtandenen Leiden bezah⸗ len laſſen wollte.

Das iſt ſehr ſchön; aber man wird Ihren Edelmuth

für Schwaͤche halten; Sie ſind in einem Lande, wo man,

mit Ausnahme der Inquiſition und des Königs, über Alles

ungeſtraft ſprechen kann.

Als ich nach Hauſe kam, fand ich Mengs, der mit ſeinem Wagen auf mich wartete; er wollte zu Herrn von Mocenigo zu Tiſche gehn und kam, um mich abzuholen.

Der Geſandte nahm mich mit offnen Armen auf und machte

Mengs ein Compliment wegen ſeiner mir erwieſenen Gaſt⸗ freundlichkeit. Mengs wurde roth, und ich konnte mich des Lächelns nicht enthalten. Bei Tiſche war von meinen vier Briefen die Rede, und die verſchiedene Art und Weiſe, wie jeder der Gäſte ſie beurtheilte, zeigte mir, in wie weit die