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ich an das Orakel zu richten gedenke; ſie ſind etwas weitläufig. 85
In der That ſind ſie ſehr lang, ſagte ich, indem ich das Papier nahm.
Gut, ſo möge mir das Orakel ebenſo weitläufig ant⸗ worten; Sie kennen meine Schwäche für Alles, was lang iſt.
Die endloſen Fragen waren ſo wenig nach meinem Geſchmacke, wie ſie nach dem von Frau du Rumain waren, und ich fing an die Pyramide zu bauen, ohne zu wiſſen, was ich that, denn wie ſollte ich es anfangen, um einer Perſon, welche die Stimme verloren, dieſelbe wieder⸗ zugeben? Indem ich mir den Kopf zerbrach, kam ich auf den Gedanken, eine gute Diät würde vielleicht den Kehlkopf der Virtuoſin wieder herſtellen und ihm ſeine frühere Elaſticität wiedergeben. Ich verordnete alſo der Dame den Kultus der Sonne und befahl ihr dieſelbe nächtlich anzubeten. Da⸗ durch entzog ich die Kranke ihren nächtlichen Vergnügungs⸗ partieen und zwang ſie zu einem regelmäßigen Leben. Außer den Paternoſtern die ich verordnete, empfahl ich Madame du Rumain auch einen Syrup, den ich lunariſch nannte und warme Bäder zu Ehren der Milchſtraße. Da das Orakel auch forderte, daß die Ceremonien des Kultus bei geſchloſſenen Fenſtern ſtattfänden, ſo bewunderte die Dame die Vorſicht des Orakels, und machte die verſtändige Be⸗ merkung, offne Fenſter würden das Ausgehn ihrer Stimme in einen ſtarken Schnupfen verwandeln. Nachdem ich dies verordnet, machte ich mich davon.
Am folgenden Tage kam der Abbé ſehr früh auf mein Zimmer und ſagte zu mir: Bruder, ich habe meine Anſicht geändert; ich werde dieſe Stadt nicht verlaſſen.
Das iſt ja etwas ganz Neues.
Ich habe meine Pläne. Gieb mir das Geld, was Du mir verſprochen.
Ich werde mich hüten.
Ich will mich ſchriftlich verpflichten, Niemand zur Laſt zu fallen.
Du machſt Dich uber mich luſtig, Herr Abbé. Mach, daß Du von hier wegkommſt; ich will Dein Geſchwätz nicht
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