Teil eines Werkes 
14. Bd. (1850)
Entstehung
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Dich. Er bezeichnet Dich als Spieler, Wüſtling und Gau⸗ ner. Du kannſt Dir wohl denken, daß wir ihm nicht glaubten. Er erklärte uns ſodann, daß ſeine in Venedig begangene Unbeſonnenheiten ihm die Rückkehr dorthin nicht geſtatte, und daß er beabſichtige ſich in Paris niederzu⸗ laſſen, um Unterricht in

Worin könnte er wohl Unterricht geben?

In der italiäniſchen Sprache. Ein löblicher Plan, aber ſchwer auszuführen.

Die Ausführung iſt aus guten Gründen ſchwer; der Hallunke ſchändet unſre Sprache und kann kein Wort Franzöſiſch.

Andrerſeits, fuhr Franz fort, gab ihm ſein geiſtlicher Beruf die Hoffnung, in dieſer Laufbahn Glück zu machen, der Herr wollte Biſchof werden. In Folge deſſen führte ihn meine Frau am folgenden Tage zu Herrn von Sanci, der ihn dem Erzbiſchofe empfahl. Man übertünchte ſeine Moralität etwas; man rühmte ſein Wiſſen, um ihn in die Kathedrale zu bringen. Da die Sache ſich in die Länge zog, ſo warf der Herr ſeine Augen auf unſre Parochie. Ich ging zum Pfarrer und erwirkte von ihm, daß er für zwölf Sous täglich die Meſſe leſen könne.

Hier zuckte der theure Abbé, welcher eine Taube ver⸗ zehrte(an einem Donnerſtage nach Mitternacht) die Achſeln mit allen Zeichen übler Laune. Franz fuhr fort, indem er ihm nachmachte:

Hierüber gerieth der Abbé in einen fürchterlichen Zorn: Man giebt zwölf Sous für den Meßdienſt, aber nicht für das Meſſeleſen. Seitdem, es iſt drei Wochen her, iſt er hier geblieben und kehrt das Oberſte zu unterſt; es iſt mir unmöglich eine Magd zu behalten; er ſtellt den Kammer⸗ mädchen nach und beſtiehlt die Köchin; er betaſtet alle Speiſen und koſtet alle Saucen. Sieh nur, gerade wie in dieſem Augenblicke. Wir müſſen ein Mittel finden, ihn los zu werden.

Nichts iſt einfacher; Du brauchſt nur ſeine Sachen auf die Straßen ſetzen zu laſſen und ihm die Thür vor der Naſe zuzumachen.