Marquiſe ſpricht) hat mir im Schatten der Abenddämmerung offenbart, daß der Chevalier von Seingalt Fontainebleau verlaſſen hat und heute bei mir ſpeiſen wird.“
Das iſt wunderbar! rief ich aus, indem ich das höchſte Erſtaunen erkünſtelte.
Vielleicht wirſt Du gleich mir lachen, Leſer, wenn Du ein ſtarker Geiſt biſt, und dennoch will ich meine Schwäche eingeſtehn. Ich bin allerdings in meinem Leben Zeuge wun⸗ derbarer Vorausſagungen geweſen, gegen die meine Vernunft ſich ſträubte, und die dennoch eingetroffen ſind. Vor noch nicht einem halben Jahre wettete ich, als ich durch Dux kam, daß eine Hündin am folgenden Tage mit vier Weib⸗ chen niederkommen würde, und ich gewann die Wette. Das war Zufall, wirſt Du ohne Zweifel ſagen. Nichtsdeſto⸗ weniger war ich, als ich wettete, des Reſultats ſicher; würde ich ſonſt wohl funfzig Louisd'ors aufs Spiel geſetzt haben? Haſt Du nicht ſelbſt hundertmal Ahnungen gehabt, geheime Vorgefühle, deren Urſprung Du nicht entdecken konnteſt, und die nichtsdeſtoweniger auf Deine ernſteſten Entſchlüſſe von Einfluß geweſen ſind? Ein großer engliſcher Dichter hat geſagt: Es giebt viele Dinge zwiſchen Himmel und Erde, von denen unſre Philoſophen ſich nichts träumen laſſen.
Um auf die Marquiſe zurückzukommen, ſo ermangelte ich nicht, ihr zu ihrem Ahnungsvermögen Glück zu wün⸗ ſchen. Es iſt die Wirkung meiner Dankbarkeit, antwortete ſie. Ich gratulirte ihr auch zu der vortrefflichen Geſund⸗ heit, deren ſie ſich während ihrer geheimnißvollen Schwanger⸗ ſchaft zu erfreuen ſchien.
Am Abend begegnete ich in der italiäniſchen Komödie einer andern Verrückten, Madame du Rumain, welche eben⸗ falls toll nach Orakeln war. Ich verſprach ihr meinen Beſuch für den folgenden Tag. Nach dem Schauſpiele ging ich zu meinem Bruder Franz.
Du kommſt zu gelegner Zeit, rief er mir entgegen; Du wirſt mir behülflich ſein, unſern verdammten Bruder aus dem Hauſe zu bringen.


