Teil eines Werkes 
14. Bd. (1850)
Entstehung
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ſie einen Theil des Weges begleiten wollte. Am Abend machten wir in Pont de Beauvoiſin Raſt. Se. Excellenz hielt ſehr auf ein gutes Bett. Marcoline wurde immer betrübter. In meinem Kabinet, wo ich die ganze Nacht angekleidet zubrachte, hörte ich ihr Seufzen und Weinen, und die Anweſenheit der Duegna hinderte mich, ſie zu be⸗ ruhigen, Mit Tagesanbruch ſpannte man an. Ich nahm von den Herren Abſchied, und umarmte Marcoline zum letztenmale.

Der ſchmerzliche Eindruck, welchen dieſe Trennung auf mich machte, läßt ſich nicht beſchreiben, und ich verzichte darauf. Den Tag vorher war ich aus tauſend Gründen froh über meine Trennung von Marcolinen; im Augenblicke der Abreiſe fühlte ich dieſe Stimmung ſich ändern. Aber welche Leere erſt, welche Verzweiflung, als ich mich allein ſah! Man glaube nicht, daß ſelbſt die loſeſten Bande ſich ſo leicht löſen laſſen, daß man ſie ohne Schmerz und ohne Gewiſſensbiſſe zerreißen kann. Der oberflächliche Leſer wird mir nicht glauben, wenn ich ſage, daß ich, vernichtet durch den Schmerz, unbeweglich und ſtarren Blicks da ſtand und ſo ſehr meiner Sinne beraubt war, daß ich den Weg nicht hätte finden können. Ich warf mich ſchnell auf mein Pferd, drückte demſelben die Sporen in die Seite, und über⸗ ließ demſelben den Wegf mit dem verzweifelten Entſchluſſe, es zum Stürzen zu bringen, und mir den Hals zu brechen. So legte ich in fünf Stunden achtzehn Meilen zurück. Am folgenden Tage, einem der traurigſten meines Lebens, ſchlug ich den Weg nach Paris ein, allein in einer Chaiſe ſitzend, da ich Clairmont voraufgeſchickt hatte, um Relais zu beſtellen. Die Schnelligkeit der Fahrt ſchien eine für meinen Kummer heilſame Erſchütterung hervorzubringen.

Man wird ſich ohne meine Beſchreibung die Freude der Marquiſe von Urfé bei meinem Wiederſehen denken können. Der junge Aranda ſaß an ihrer Seite; ſie ſagte zu ihm: Zeige dem Chevalier das Billet, welches ich Dir heute Morgen gegeben. Es war ein langer in goldnes Papier eingeſchlagener und mit kabbaliſtiſchen Zeichen ver⸗ zierter Brief und ich las Folgendes:Mein Genius(die