Teil eines Werkes 
14. Bd. (1850)
Entstehung
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ſeinen Charakter vergaß, wer hat Ihnen dieſe Anſicht bei⸗ gebracht?

Mein Onkel!

Das iſt richtig, rief der dicke Matteo aus, der heimlich aus bloßer Zerſtreuung ein Glas Syrakuſer geleert.

Welche Eigenſchaften ſoll der Gatte Ihrer Wahl beſitzen? fragte Moroſtni.

Ich habe es ſchon geſagt: er ſoll mir gefallen.

Und wenn er ein ſchlechtes Subjekt iſt?

So wird er mir nicht gefallen: deshalb werde ich auch nur einen Liebhaber heirathen, den ich geprüft habe.

Und wenn er unbeſtändig iſt?

Deſto ſchlimmer für ihn und vielleicht auch für mich.

Dann würden Sie ins Elend kommen.

Nein, fiel ich ein, ich habe Marcolinen eine Rente von fünfhundert Thalern ausgeſetzt.

Eine ſehr verſtändige Vorſicht, ſagte Monſignore Que⸗ rini. Mit einer ſolchen Penſton kann die Schöne unab⸗ hängig in Venedig leben.

Nichts würde meinem Glücke fehlen, wenn ich unter dem Schutze Ew. Excellenz ſtände.

Wolan, liebes Mädchen, ich nehme Sie mit. Wie iſt denn aber dieſe Rente angelegt?

Ich habe das Kapital.

Und, fügte ich hinzu, Ew. Excellenz wird für die An⸗ legung deſſelben ſorgen.

Das verſteht ſich; laſſen Sie Veneranda kommen.

Ich errieth an dem Namen, daß es eine Duegna ſei; in der That erſchien eine alte Dame, deren Kopf mit einem ſchwarzen Schleier umhüllt war, und welche auf einen Wink Monſignores Marcoline umarmte, und dieſelbe ihrer Freundſchaft verſicherte. Die Abreiſe des Geſandten wurde auf den folgenden Tag um acht Uhr angeſetzt.

Marcoline ging zum letztenmale mit mir nach Hauſe. Ich war bewegt, und ſie gab ſich keine Mühe, ihre Auf⸗ regung zu verbergen; die Morgenſonne beleuchtete unſre Umarmungen. Um ſieben Uhr begaben wir uns nach dem Hoôtel Bellecour; ich ſtieg mit ihr in den Wagen, da ich

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