Teil eines Werkes 
14. Bd. (1850)
Entstehung
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Unbedingt. Gottes Wille geſchehe! Die Vorſehung hat ihre Geheimniſſe, welche ich achten muß.

Mein lieber Caſanova, Sie ſind ein ehrlicher Mann. Bereiten Sie Marcoline auf unſere Zuſammenkunft vor.

Ich lernte der Kleinen ihre Lektion ein und gab ihr den Theatercoup beim Wiedererkennen ihres Onkels Matteo an die Hand. Du mußt die Scene ſo natürlich wie mög⸗ lich ſpielen. Du darfſt es nicht an Umarmungen, Thränen und Aeußerungen der Reue fehlen laſſen. Deine Zukunft hängt davon ab.

Marcoline fuͤhrte ihre Rolle ſehr gut durch, und ging

gar darüber hinaus. Die Scene fand einige Minuten

vor dem Abendeſſen ſtatt. Matteo brachte auf einem ſil⸗ bernen Teller die Augengläſer Monſignores. Da ſtürzte Marcoline mit venetianiſcher Begeiſterung in ſeine Arme. Matteo machte in Folge ihres Anlaufs einen Fehltritt und die Augengläſer zerbrachen.

Mein Onkel!

Theure Nichte!

Wie, Sie ſind es?

Ja, ich bin es u. ſ. w., die ganze Phraſeologie der Erkennungsſcenen.

Guten Tag, Vetter, ſagte ich lachend. Und der dicke Burſche ſtürzte in meine Arme. Die Rührung(ich glaube in Folge des Lachens) ſteckte die ganze Geſellſchaft an, und ich ſah den Augenblick kommen, wo der Onkel und die Nichte die ganze Geſellſchaft umarmen würden. So verlor ich Marcoline, und Monſignore Querini ſeine Augengläſer.

Bei Tiſche ſagte Monſignore, dem der von ihm über⸗ nommene erbauliche Auftrag immer angenehmer zu werden ſchien, zu Marcolinen:

Meine Tochter, wie ich Sie kennen gelernt habe, werden Sie in Venedig leicht einen Mann finden.

Ich möͤchte einen ſolchen verdienen, wie ihn Ew. Excellenz für angemeſſen hält. Uebrigens muß der, der mich nehmen will, mir vor der Ehe und nicht nach der⸗ ſelben gefallen.

Zum Teufel! rief Querini aus, der ſeine Tonſur und