Teil eines Werkes 
14. Bd. (1850)
Entstehung
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Herr Caſanova, ſind Sie wirklich der Onkel dieſes jungen Mädchens?

Nein, Monſignore; ihr Urſprung iſt mir unbekannt, und ich nannte ſie meine Nichte, um unſeren Beziehungen einen anſtändigen Schein zu geben.

Sie ſind ein aufrichtiger Mann. Iſt ſie ſchon lange bei Ihnen?

Zwei Monate.

Und wo haben Sie ſie kennen gelernt? 1

Darüber muß ich ſchweigen, denn das iſt mehr das Geheimniß Marcolinens als das meinige.

Sehr wohl, ſprechen wir nicht weiter davon. Da Sie ihr Liebhaber ſind, werden Sie ſie doch gewiß über ihre Familie befragt haben?

Alles, was ich weiß, iſt, daß ſie arme, aber ehrliche Aeltern hat. Ich kenne von ihr nur den Namen Marcoline.

Das iſt in der That ihr Taufname. Mein Kammer⸗ diener hat mir, wie ich ſehe, die Wahrheit geſagt.

Ich begreife nicht, was Marcoline mit Ihrem Kammer⸗ diener gemein hat?

Er iſt ihr Onkel; hat ſte ihn nicht erkannt?

Ohne Zweifel nicht, denn ſonſt würde ſie mit mir dar⸗ über geſprochen haben.

Da Sie an dieſer jungen Perſon Antheil nehmen, ſo wollen Sie ſie vielleicht heirathen?

Monſignore kennt meine Abneigung gegen die Ehe. Ich kann dieſelbe nur bedauern, denn mit Ausnahme meiner und jetzt Ihrer kennt Marcoline Niemand.

Wenn es ſich ſo verhält, ſo erlauben Sie mir wohl, Marcoline mit nach Venedig zu nehmen und ſie ihren Aeltern zurückzugeben?

Wenn ſie ſo glücklich iſt, Ew. Excellenz einige Theil⸗ nahme eingeflößt zu haben, ſo wird das ein Troſt für mich ſein. Wer wollte der armen Kleinen ihre Flucht zum Vorwurf machen, wenn Ew. Excellenz ſie ihrer Familie zurückgiebt?

Sie überlaſſen alſo mir die Ausführung dieſes guten Werks?