Teil eines Werkes 
14. Bd. (1850)
Entstehung
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Dieſe Liebe zu einem Onkel iſt etwas ſtark, bemerkte Querini.

Ich mache keinen Unterſchied zwiſchen lieben und lieben, ſagte Marcoline, und in Wahrheit habe ich nur Herrn Caſanova geliebt.

Sie ſcheinen nicht zu wiſſen, ſchöne Marcoline, daß es fünferlei Arten ſehr verſchiedenartiger Liebe giebt: die Liebe zum Nächſten, die Freundſchaft, die Aeltern⸗ und Kindes⸗ liebe, die ehliche Liebe und endlich die Liebe zu Gott.

Hierauf begann der gute Greis, den der Wein ge⸗ ſchwätzig gemacht hatte, eine Homilie, die ich ihm gern er⸗ laſſen hätte.

Glücklicher Weiſe begann Marcoline zu weinen, wo⸗ durch die Ideen des Prälaten eine andere Richtung er⸗ hielten. Er küßte ſie zärtlich auf beide Wangen und ſagte zu ihr; Poveretta, Sie ſind ein Engel!

Am Abend fragte ich Marcoline um die Urſache ihres Weinens. Während Deiner Erzählung, ſagte ſie, war es aufrichtig; aber als Monſignore Querini ſeine Rede hielt, that ich bloß ſo, denn ich ſah vorher, daß wir Alle bald einſchlafen würden.

Haſt Du, fuhr ſie fort, den dicken Lakaien bemerkt, der beſtändig an meiner Seite blieb?

Der Deine Teller wechſelté?

Eben der.

Er iſt mir wegen ſeines Körperumfangs aufgefallen.

Es iſt mein Onkel.

Dein Onkel Matteo?

Er ſelbſt.

Das war kein glückliches Zuſammentreffen.

Wenn es Dein Onkel iſt, theure Marcoline, ſo kann ich es nicht mehr bei Monſtgnore ſein; alſo müſſen wir die Wahrheit eingeſtehen, aber mit Würde. Werde nur nicht furchtſam; bedenke, daß Matteo kein Anrecht an Deine Perſon hat. Ich rechne auf Deinen Geiſt, um uns aus dieſer Verlegenheit zu ziehen.

Was ich gefürchtet, traf ein: Se. Excellenz ließ mich im Laufe des Tages rufen.

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