h
—
149
ſchiedene Briefe und eine Viſitenkarte, auf welcher mit Blei folgende Worte geſchrieben waren:„Herr Moroſini bedauert, daß er von Fräulein Charpillon nicht hat Ab⸗ ſchied nehmen können.“
Wie ſoll ich dieſe Perſon entdecken, da keine Adreſſe angegeben iſt?
Das weiß ich ebenſowenig wie Sie; ſuchen Sie aber zu erfahren, wo ſie wohnt. Sie wird eine ſehr angenehme Bekanntſchaft für Sie ſein.
Ich dankte dem Prokurator. Man wird ſpäter ſehn, ich mir zu dieſer Bekanntſchaft Glück zu wünſchen
atte.
Wiſſen Sie wohl, fuhr er fort, daß Ihre Nichte rei⸗ zend iſt?
Ich bin Ihrer Anſicht.
Wie kömmt es, daß ſie kein Wort franzöſiſch kann?
Ihre Erziehung iſt vernachläſſigt.
In Ihren Händen iſt das ſeltſam. Lieben Sie ſie wirklich?
Von ganzem Herzen. Die Liebe eines Onkels.
Und Sie nehmen ſie mit nach London?
Nein, ich ſchicke ſie nach Venedig zurück.
Das laſſe ich mir gefallen! Sie werden doch unſere Einladung nicht vergeſſen?
Als ich nach Hauſe kam, beſchäftigte ich mich mit Marcolinens Toilette; für meine Pläne war es erforderlich, daß ſie möglichſt glänzte. Sodann beſchäftigte ich mich mit der meinigen. Ich wählte Beinkleider von violettem Atlas und einen Rock von aſchgrauem Sammt, deſſen Manchetten allein tauſend Liores werth waren. Auf meiner Bruſt prangte der Orden und an jeden Finger ſteckte ich einen koſtbaren Diamanten; endlich nahm ich zwei Uhren und drei Doſen von prächtiger Arbeit. Ich hatte für mehr als zwanzigtauſend Thaler an meinem Körper.
Ich erlaſſe dem Leſer die Beſchreibung unſerer An⸗ kunft, welche die beſte Wirkung hervorbrachte. Bei Tiſche baten mich die Geſandten um die Geſchichte meiner Flucht aus den Bleidächern. Ich löſte die Aufgabe auf eine ſo
pathetiſche Weiſe, daß ich Marcolinen Thränen entlockte.
——————
————
— —


