Teil eines Werkes 
14. Bd. (1850)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

148

Sehr gut, dachte ich bei mir, da habe ich ja Reiſe⸗ gefährten für Marcoline.

Als ich in meine Loge zuruckgekehrt war, fragte mich Marcoline, wer die Herren wären.

Die venetianiſchen Geſandten, welche aus England kommen. Sie wechſelte die Farbe und redete mich wäh⸗ rend des ganzen Schauſpiels nicht weiter an. Da ſie wußte, daß ich nur eine Gelegenheit ſuche, ſie nach Venedig zurückzuſchaffen, ſo konnte ſie ſich leicht denken, daß dieſelbe gefunden ſei.

Als wir den Saal verließen, redete Moroſini mich an, und ſagte zu mir: Sie ſind in Geſellſchaft einer ſehr hüb⸗ ſchen Perſon. Marcoline grüßt ihn und küßt gleichzeitig Monſignore Querini die Hand.

Weelchem Umſtande, ſchönes Fräulein, verdanke ich die Ehre, die Sie mir erweiſen?

Sind Sie nicht die Excellenz Querini?

Sie ſind in Geſellſchaft von Herrn Caſanova?

Ich bin ſeine Nichte.

Querini ſchleuderte mir einen boshaften Blick zu. Die Andern lachten ſehr. Ich vertagte meine Abreiſe und be⸗ deutete Marcolinen, daß ich allein reiſen werde.

Was ſoll aus mir werden? fragte das arme Mädchen. Bis dahin werde ich Dir einen mächtigern Beſchützer uchen.

Wir waren noch beim Abendeſſen, als Memo ein⸗ trat. Ich ſchien verwundert über dieſen nächtlichen Beſuch, und er ſagte, er komme im Namen der Geſandten, um mich mit meiner reizenden Nichte zum Mittagseſſen für den folgenden Tag einzuladen.

Iſt das Fräulein damit einverſtanden?

Con grandissimo piacer; parlaremo veneziano*)?

Am folgenden Tage ging ich zu Moroſini, um ſeine Aufträge in Empfang zu nehmen. Er gab mir ver⸗

*) Mit dem größten Vergnügen; wir werden venetianiſch ſprechen.

-

102 Ʒ