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mich glücklich, mein theurer Caſanova, ſagte er, Ihnen die⸗ ſen kleinen Dienſt leiſten zu können. Ich dankte ihm von ganzem Herzen und war nur noch darauf bedacht, eine Stadt zu verlaſſen, welche mir ſo verderblich hätte werden können.
Einhundertſtes Kapitel.
Die Venetianiſchen Geſandten.— Ich verlaſe Marca-
line.— Aukenthalt in Paris.— Ich vertreibe meinen
Bruder, den Abbé.— Madame du Rumain.— Ab- reiſe nach England.
Als ich den Tag vor meiner Abreiſe in das Schau⸗ ſpiel ging, wurde ich von einem jungen Venetianer, dem Signor Memo, begrüßt. Ich gehe ihm entgegen, und er ſagt, er habe eine benachbarte Loge, in welcher ſich drei mir bekannte Perſonen befänden, Monſignore Querini, der Prokurator Moroſini und der Graf Straſico, Profeſſor an der Univerſität Padua. Sie kamen von London und gin⸗ gen nach Italien. Ich brachte ihnen meine Huldigungen dar. Moroſini umarmte mich mit gerührtem Herzen, und Monſignore empfing mich mit einer fuüͤr einen Geiſtlichen großen Höflichkeit. Moroſini fragte mich, woher ich käme.
Aus Rom, wo Seine Heiligkeit mich mit dem Orden des goldenen Sporns geſchmückt hat.
Und wohin denken Sie ſich zu begeben?
Nach London.
Nach dieſer langweiligen Stadt! Wollen Sie die Güte haben, mich zu beſuchen, mein lieber Caſanova, ſo will ich Ihnen einige Aufträge geben.
Ew. Excellenz denkt alſo, ſich einige Zeit in Lyon auf⸗ zuhalten?
Fünf oder ſechs Tage.


