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Ueber dieſen brauche ich nicht mehr zu wiſſen. Gehen wir zu einem andern über.
Der zweite war ein Goldſchmidt und der dritte Dein Bruder, der mir feierlich erklärte, er könne nicht eher, als bis er mich geheirathet, mit gutem Gewiſſen von mir eine Gunſtbezeugung fordern.
Da ich vorausſah, daß Marcoline ſich durch ihre Er⸗ innerungen verführen laſſen würde, mir meine eigne Ge⸗ ſchichte zu erzählen, ſo unterbrach ich ſie, um ihr zu ſagen, es ſei Zeit, uns auf den Weg zu machen. Wir legten funfzehn Poſtſtationen zurück, ohne auszuſteigen, und am folgenden Tage waren wir in Lyon. Ich eilte ſogleich nach dem Hoötel Belcourt, wo die Marquiſe wohnte, weniger ihretwegen, als des jungen Aranda wegen. Die Geburt dieſes Kindes war für die Marquiſe kein Geheimniß mehr: Der Taugenichts hatte geſchwatzt. Da ich ihm ſeine Mutter zurückgeben wollte, um ihr meine Tochter wegzunehmen, ſo ließ ich das Orakel ſprechen, welches ihr befahl, das Kind nach Paris zurückzubringen. Nachdem ich dieſe Anord⸗ nungen getroffen, begab ich mich zu Bono, meinem Bankier.
Es iſt mir lieb, Sie zu ſehen, aber es wäre mir noch lieber, wenn Sie hundert Meilen von hier weg wären.
Sollte mein Bruder, der Abbé, vielleicht in Lyon ſein?
Er iſt geſtern abgereiſt, nachdem er eine Zuſammen⸗ kunft mit Ihrem Todfeinde, einem gewiſſen Paſſano, gehabt, der behauptet, ſie hätten ihn vergiftet.
Ich zuckte die Achſeln mit gleichgültiger und verächt⸗ licher Miene.
Sie werden wohl thun, auf Ihrer Hut zu ſein) ſagte Bono; dieſer Paſſano hat Ihnen Rache geſchworen. Wie er ſagt, will er die niederträchtige Rolle enthüllen, welche Sie bei der tollen Marquiſe von Arfeé geſpielt. Caſanova, ſagt er überall, iſt ein Necromant, ein Spion, ein Falſch⸗ münzer, ein Wechſelfälſcher.
Und ein Giftmiſcher, ſagte ich lächelnd.
Sie thun Unrecht, zu lachen.
Was, ich bitte Sie, habe ich von Paſſano's Verläum⸗ dungen zu fürchten?
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