Teil eines Werkes 
14. Bd. (1850)
Entstehung
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Es handelt ſich nicht blos um leeres Geſchwätz, ſon⸗ dern er will auch einen Kriminalprozeß gegen Sie einleiten.

Nehmen Sie alſo Ihre Maaßregeln.

Wo iſt der Schurke?

Ich weiß es nicht.

Ich weiß nicht, was er gegen mich ausrichten will.

Rechnen Sie den Skandal eines ſolchen Prozeſſes für nichts?

Sie haben Recht. Ich werde ihm antworten; aber ich brauche einen Advokaten.

Ich kannte Paſſanos Bosheit; als ich wieder in mei⸗ nen Gaſthof kam, ſtellte ich ernſthafte Betrachtungen an und beſchloß, dem Elenden bei der Juſtiz zuvorzukommen. Ich ging ins Polizei⸗Büreau und ſetzte hier eine Klage auf, in welcher ich Paſſano als einen Uebelthäter ſchilderte, der ſich in Lyon verborgen, um meiner Ehre und meinem Le⸗ ben nachzuſtellen. Sodann begab ich mich zu dem Advo⸗ katen, den Bono mir angegeben. Ich erklärte ihm die Sache, und er hörte mir mit großer Aufmerkſamkeit zu, dann aber unterbrach er mich plötzlich.

Mein Herr, ich kann weder Ihr Rathgeber noch Ihr Advokat ſein, da ich ſchon für Ihren Gegner gewonnen bin; aber ſeien Sie überzeugt, daß ich ſo handeln werde, als ob Sie mir nichts geſagt. Paſſano's Anzeige wird erſt morgen eingereicht werden, bis dahin können Sie ſich an einen andern Advokaten wenden.

Machen Sie mich gefälligſt mit einem Ihrer Kollegen bekannt.

Das iſt mir nicht geſtattet.

So geben Sie mir wenigſtens den Ort an, wo mein Gegner ſich verbirgt.

Das iſt ſein Geheimniß, mein Herr, und muß auch das meinige ſein.

Dieſer Advokat war aufrichtig und ehrlich. Das ſetzte mich in Verwunderung. Von ihm begab ich mich zu einem ſeiner Kollegen, ſeinem Nachbar, einem in Ruf ſtehenden Greiſe, welcher mir mit lateiniſchen Brocken entgegenkam und mir zur Klugheit rieth. Er übernahm meine Sache. XIV. 10