Teil eines Werkes 
14. Bd. (1850)
Entstehung
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Wo iſt er?

Geduld! Sie zog aus ihrer Taſche eine Rolle Papier.

Dies, ſagte ſie, indem ſie mir ein Papier von zweifel⸗ hafter Reinlichkeit zeigte, iſt mein Taufſchein

Aus dem ich ſehe, daß Du 1746 geboren biſt.

Dies iſt mein Führungs⸗ und Sittllichkeitsatteſt.

Verliere es nicht; aber der Brief?

Sollte ich ihn verloren haben.

Deſto ſchlimmer für Dich, ſo ſchicke ich Dich nach Aix zurück.

Hier iſt er. Nein, dies iſt das Heirathsver⸗ ſprechen Deines Bruders.

Zum Teufel!

Jetzt habe ich den Brief.

Wie, keine Adreſſe?

Das Herz ſchlug mir, als ich den Umſchlag aufmachte. Der Brief enthielt nur die italiäniſchen Worte:An den ehrenwertheſten der Männer und die UnterſchriftHenriette.

Der Anblick dieſer Unterſchrift verſetzte mich in eine Aufregung, welche der Leſer ebenſo wenig begreifen wird, wie Marcoline ſie begriff. Henriette, grauſame Henriette! Du haſt mich ſehn können, ohne Dich zu überzeugen, daß ich Dir meine Liebe bewahre, obwohl ich mich der Deinigen unwürdig gemacht. Ich hatte nur von Dir erfahren, daß Du noch lebſt, um mich zu hindern, Dich wiederzuſehen; aber morgen werde ich Dich wiederſehen! Haſt Du mir nicht erklärt, Dein Haus werde mir beſtändig offen ſtehn? Du biſt Witwe, Henriette, und ich bin reich. O, meine ſchöne, meine göttliche Henriette!

Ich fuhr eine Viertelſtunde in dieſem Tone fort, wie ſinnlos, und unter Geſchrei und Thränen auf und abgehend. Die Ankündigung des Abendeſſens machte meiner Aufregung ein Ende.

Weißt Du auch, ſagte Marcoline, daß Du mich in große Unruhe verſetzt haſt? Was bedeutet das? Schon der bloße Name dieſer Dame regt Dich ſo auf.

Weil dieſer Name mir Alles ſagt. Du haſt ſie ſehr geliebt, aber ſchon vor langer Zeit.

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