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Nie, mein Herr; aber ich habe viele Venetianer ge⸗ kannt.
Da unſer Wagen erſt ſpät in der Nacht wieder in Stand geſetzt werden konnte, ſo wurde es nicht ſchwer den an mich gerichteten Bitten, das Haus erſt am folgenden Tage zu verlaſſen, nachzugeben. Die Gräfin unterhielt ſich lange mit Marcolinen; aber es entging mir nicht, daß ſie vermied, mich anzureden. Ich erfuhr nichts von ihr und nichts über ſie, außer daß ſie Witwe ſei. Mein Bedienter nannte mir ihren Namen; aber derſelbe war mir durchaus unbekannt.
Als der Tag angebrochen war, und ich in den Wagen ſteigen wollte, ließ ich fragen, ob ich die Gräfin einen Ab⸗ ſchiedsbeſuch machen dürfe; aber mir wurde geantwortet, ſie ſchlafe. Ich bat alſo einen der Herren, ihr meine Com⸗ plimente zu überbringen, und reiſte mit Marcolinen ab.
Wie alt iſt die Gräfin? fragte ich ſie. Iſt ſie hübſch?
Höchſtens dreißig Jahre, und meine Freundin P. P. iſt nicht ſchöner. Ich halte ſie für reich, denn ſie hat mir einen mit Diamanten beſetzten Ring geſchenkt. Marcoline zeigte mir das Kleinod, welches mir zweihundert Louisd'ors werth zu ſein ſchien.
Weißt Du, weshalb die Gräfin meine Beſuche nicht hat annehmen wollen, und warum ſte geſtern für mich un⸗ ſichtbar geblieben?
Ich weiß es nicht; vielleicht erfordert dies der feine franzöſiſche Ton, oder aus Schaam.
Vielleicht auch aus Koketterie.
Als wir in Avignon angelangt waren, ſtiegen wir im Hotel von St. Omer ab, Marcoline erfreut, und ich nach⸗ denklich über dieſe geheimnißvolle Begegnung. Kaum waren wir in unſerm Zimmer eingerichtet, ſo ſagte Marcoline zu mir: Jetzt kann ich einen Auftrag ausrichten, den die Gräfin mir beim Abſchiede gegeben.
Konnteſt Du es nicht früher thun?
Sie hatte mich ſchwören laſſen, vor unſerer Ankunft hieſelbſt mit Dir nicht darüber zu ſprechen. Ich ſoll Dir einen Brief geben.


