Teil eines Werkes 
12. Bd. (1850)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

² mn E=ͤͤͤ

b B

S3KE

b

A

ε

165

allmählig aller meiner Sachen bemächtigte. Das war noch nicht der ſchrecklichſte Dienſt, den ſie mir leiſtete; ſie theilte mir ein Uebel mit, welches ſie verzehrte, welches aber nur innerlich wüthete und ihr Aeußeres unberührt ließ, und wel⸗ ches um ſo gefährlicher war, als ihre Friſche auf die voll⸗ kommenſte Geſundheit hinzudeuten ſchien. Dieſe der Hölle entſchlüpfte Schlange hatte mich ſo ſehr bezaubert, daß ich die Krankheit ein Monat lang vernachläſſigte, weil ſie mich zu überreden wußte, daß ſie entehrt werden wuͤrde, wenn ich mich während meines Aufenthalts in München einem Chirurgus übergebe, weil der ganze Hof wiſſe, daß wir wie Mann und Frau lebten.

Ich verſtehe mich nicht, wenn ich an dieſe unglückliche Gefälligkeit denke, beſonders da ich täglich das Gift er⸗

neuerte, welches ſie in meine Adern gegoſſen hatte.

Mein Aufenthalt in München war ein wahrer Fluch, oder vielmehr vereinigten ſich währenddeſſen alle Uebel, um mir einen Vorgeſchmack von den Leiden der Verdammten zu geben. Die Renaud liebte das Spiel und Désarmoiſes zog in Gemeinſchaft mit ihr ab. Ich wollte mich nie bei ihrem Spiele betheiligen, denn der falſche Marquis mogelte ohne alle Rückſicht und oft mit mehr Unverſchämtheit als Ge⸗ ſchick. Er lud Leute von ſchlechter Geſellſchaft zu mir ein und bewirthete ſie auf meine Koſten; auch ſielen bei ihrem Spiele jeden Abend ärgerliche Scenen vor.

Die verwitwete Kurfürſtin von Sachſen fügte mir die beiden letztenmale, wo ich die Ehre, ſie zu ſehn hatte, eine empfindliche Kränkung zu.

Es iſt bekannt, mein Herr, ſagte dieſe Fürſtin, daß Sie mit der Renaud leben und welches Leben man bei Ihnen führt, vielleicht ohne Ihr Vorwiſſen; das thut Ihnen großen Schaden und ich rathe Ihnen, der Sache ein Ende zu machen.

Sie wußte nicht, daß ich auf jede Weiſe dazu genöthigt war. Seit einem Monate hatte ich Paris verlaſſen und noch keine Nachricht von Frau von Urfé oder Coſta bekommen. Ich konnte den Grund nicht errathen, fing aber an, die Treue

des Italiäners zu beargwöhnen. Ich beſorgte auch, daß