Da ich in dieſer Stadt nichts zu thun hatte, ſo wollte ich augenblicklich über den Rhein gehen, aber Desarmoiſes beredete mich, mit ihm zu einer hübſchen Perſon zu gehn, welche die Reiſe nach Augsburg nur in der Hoffnung, ſie gemeinſchaftlich mit mir zu machen, verſchoben hatte. Es iſt eine junge Dame, welche Sie kennen, ſagte der falſche Marquis; aber ich habe ihr mein Ehrenwort geben müſſen, Ihnen nicht ihren Namen zu ſagen. Sie hat nur ihre Kammerfrau bei ſich, und ich bin überzeugt, daß Sie ſich freuen werden, ſie zu ſehn.
Meine Neugierde verleitete mich. Ich folge Désar⸗ moiſes und gelange in ein Zimmer, wo ich eine hübſche Frau erblickte, welche ich nicht ſogleich erkannte. Als ſich mein Gedächtniß wieder einſtellte, ſah ich, daß es eine Tän⸗ zerin war, welche ich vor acht Jahren auf dem Dresdner Theater reizend gefunden hatte. Sie gehörte damals dem Grafen Brühl, Oberſtallmeiſter des Königs von Polen und Kurfürſten von Sachſen; aber ich hatte keinen Verſuch ge⸗ macht, ihr den Hof zu machen. Da ſie eine gute Equi⸗ page hatte und zur Reiſe nach Augsburg bereit war, ſo malte ich mir ſogleich das Vergnügen aus, welches ein ſol⸗ ches Zuſammentreffen für mich haben konnte.
Nach den gewöhnlichen Aeußerungen über ein beider⸗ ſeitiges angenehmes Wiederfinden, ſetzten wir unſere ge⸗ meinſchaftliche Abreiſe nach Augsburg auf den folgenden Morgen an. Die Schöne ging nach München; da ich in⸗ deß in dieſer kleinen Hauptſtadt nichts zu thun hatte, ka⸗ men wir überein, daß ſie ganz allein dort hingehn ſolle.
Ich bin faſt überzeugt, daß Sie ebenfalls hinkommen werden, denn die meiſten Vertreter der Mächte, welche den Kongreß bilden, werden erſt im Laufe des September nach
Augsburg kommen.
Wir ſpeiſten zuſammen zu Abend und reiſten am fol⸗ genden Tage ab, ſie in ihrem Wagen mit ihrer Kammer⸗ frau, ich mit Désarmoiſes in dem meinigen, dem Le Due als Courrier voraufritt; aber in Raſtadt trafen wir einc andere Anordnung, denn die Renaud glaubte den Spekula⸗ tionen der Neugierde weniger Stoff zu geben, wenn ſie in


