Teil eines Werkes 
12. Bd. (1850)
Entstehung
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heit vermuthen. Wären Sie auch ganz unſchuldig geweſen, ſo hätte Ihnen Herr von Sanci ſagen müſſen, wie die Sachen ſtanden, denn er muß wiſſen, daß ein Mann nicht neben einer hübſchen Fran liegen und ſie nackt in ſeine Arme drücken kann, ohne unwillkürlich in eine phyſiſche Lage zu gerathen, die er ſich nicht verbergen kann, wenn er nicht gänzlich der Fähigkeit, die ſein Weſen bildet, be⸗

raubt iſt.

In Ihrem Munde finde ich das Alles richtig, und dennoch haben wir beide nicht daran gedacht, ſo ſehr er⸗ ſcheint er ſeinem Aeußern nach als Herkules.

Theure Schwägerin, ich ſehe nur ein Mittel gegen Ihr Unglück, daß Sie Ihre Ehe annulliren laſſen oder einen Liebhaber nehmen, denn ich halte meinen Bruder für zu vernünftig, um Sie daran zu hindern.

Ich bin völlig frei, aber ich kann weder an einen Liebhaber noch an Scheidung denken, denn der Abſcheuliche behandelt mich ſo gut, daß meine Liebe für ihn beſtändig zunimmt, wodurch ich nur um ſo unglücklicher werde.

Das arme Weib ſchien mir ſo unglücklich, daß ich mich gern dazu verſtanden hätte, ſie zu tröſten, aber daran war nicht zu denken. Indeß hatte dieſe Mittheilung ihren Schmerz doch für den Augenblick erleichtert; ich wünſchte ihr Glück

dazu, und nachdem ich ſie auf eine Weiſe umarmt, aus welcher ſie abnehmen konnte, daß ich nicht mein Bruder ſei, ſagte ich ihr gute Nacht.

Am folgenden Tage beſuchte ich Madame Vanloo,

welche mir mittheilte, daß Madame Blondel ſie gebeten, mir

dafür zu danken, daß ich nicht geblieben, daß aber ihr Mann

ſte gebeten, mir zu ſagen, es thue ihm ſehr leid, mich nicht geſehn zu haben, und mir nicht ſeinen Dank haben aus⸗ drücken zu können.

Er hat wahrſcheinlich ſeine Frau ganz unſchuldig ge⸗ funden; aber das iſt nicht meine Schuld und er iſt dafür nur Marie Balletti verpflichtet. Man hat mir geſagt, er habe ein niedliches Püppchen, wohne im Louvre und ſeine Frau wohne in einem andern Hauſe in der rue Neuve- des-Petits-Champs.

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