Teil eines Werkes 
12. Bd. (1850)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

8S RK

151

aus, ich ſei nicht ſeine Fran, und er habe ſich nur einen Scherz gemacht. Herr von Nesle erkundigte ſich bei mir, ob das wahr ſei, und als er die Wahrheit erfahren, fragte er mich, ob ich es üͤbel aufnehmen würde, wenn er Herrn Caſanova nöthigte, mich zu heirathen. Ich erwiederte ihm, er würde mir einen großen Gefallen thun. Mehr verlangte er nicht. Er erklärte Ihrem Bruder, ſeine Frau würde nicht mit mir als Ihresgleichen geſprochen haben, wenn ich ihr nicht von ihm ſelbſt als ſeine Gemahlin vorgeſtellt worden und dadurch aller Vorrechte der guten Geſellſchaft theil⸗ haftig geworden wäre, ſeine Täuſchung ſei eine Schmach für die ganze Geſellſchaft geweſen, und er müſſe ſein Un⸗ recht wieder gut machen, indem er mich entweder binnen acht Tagen heirathe oder ſich mit ihm auf Tod und Leben duellire. Er fügte noch hinzu, für den Fall, daß er in dieſem Kampfe unterliege, würde er von allen Männern, die gleich ihm durch ſein Benehmen beleidigt ſeien, gerächt werden. Caſanova erwiederte, weit entfernt ſich zu ſchla⸗ gen, um einer Heirath mit mir zu entgehn, ſei er vielmehr bereit, eine Lanze brechen, um mich zu bekommen. Ich liebe ſie, ſagte er, und wenn ich ihr gefalle, bin ich bereit, ihr meine Hand zu geben. Haben Sie nur die Güte mir den Weg zu bahnen; ich ſtehe jeden Augenblick zur Verfügung.

Herr von Nesle umarmte ihn, verſprach ihm, Alles zu unternehmen und brachte mir ſodann dieſe Nachricht, welche mich mit Freude erfüllte. Im Laufe der Woche wurde Al⸗ les zu Stande gebracht. Herr von Nesles veranſtaltete uns ein herrliches Mahl an unſerm Hochzeitstage, und ſeit⸗ dem führe ich den Namen ſeiner Frau, einem leeren Namen, denn trotz der Ceremonie und des verhängnißvollen Ja bin ich nicht verheirathet, da Ihr Bruder ganz impotent iſt. Ich bin unglücklich und er trägt allein die Schuld, denn er mußte wiſſen, wie es mit ihm ſtand. Er hat mich ſchreck⸗ lich getäuſcht.

Aber er iſt dazu gezwungen worden; er iſt nicht ſo⸗ wohl ſtrafbar als bemitleidenswerth. Ich beklage Sie eben⸗ falls, gebe Ihnen aber dennoch Unrecht, denn nachdem Sie ein ganzes Monat bei ihm geſchlafen, ohne daß er Ihnen eine Probe ſeiner Potenz gegeben, mußten Sie die Wahr⸗