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Marmor war, oder als er ſich der gewaltigſten aller Ver⸗ führungen ausſetzte, das Gelübde der Keuſchheit abgelegt hatte, ſo mußte ſein Benehmen ganz unerklärlich erſcheinen.
So ſcheint es Ihnen, aber in Wahrheit zeigte er ſich weder fähig noch unfähig, mir Beweiſe ſeiner Liebe zu geben.
Warum überzeugten Sie ſich nicht durch ſich ſelbſt?
Ein Gefühl der Eitelkeit, übelverſtandenen Stolzes ge⸗ ſtattete mir nicht, mich zu enttäuſchen. Ich ahnte nicht die Wahrheit, ſondern machte mir zahlloſe Ideen, welche mei⸗ nem Stolze ſchmeichelten. Mir kam es ſo vor, als ob er mich, weil er mich wahrhaft liebte, nicht proben wolle, ehe ich ſeine Frau geworden. Deshalb entſchloß ich mich nicht zu der demuͤthigenden Probe einer Unterſuchung.
Alles dieß, liebe Schwägerin, hätte, obwohl es unge⸗ wöhnlich iſt, natürlich erſcheinen können, wenn Sie ein jun⸗ ges unſchuldiges Mädchen geweſen wären; aber mein Bru⸗
der wußte doch, daß Sie Ihr Noviziat berits abgelegt hatten.
Das iſt Alles ſehr wahr; was für Gedanken ent⸗ wickeln ſich aber nicht im Kopfe einer verliebten Frau, welche die Eigenliebe eben ſo ſehr wie die Liebe ſtachelt?
Sie reden ſehr vernünftig, aber etwas ſpät.
Ich weiß es nur zu gut. Endlich kehrten wir nach Paris zurück und er zog wieder in ſeine gewöhnliche Woh⸗ nung und ich meine petite maison; er fuhr fort, mir den Hof zu machen, und ich empfing ihn, ohne mir ein ſo ſelt⸗ ſames Benehmen erklären zu können. Herr von Sanci, welcher wußte, daß es zwiſchen uns zu nichts Ernſthaftem gekommen war, verlor ſich in Muthmaßungen und konnte das Räthſel nicht löſen. Er fürchtet wahrſcheinlich, ſagte er, Dir ein Kind zu machen und Dich heirathen zu müſſen. Auch ich fing an, das zu glauben; das ſchien mir aber doch eine ſeltſame Denkweiſe für einen Verliebten.
Herr von Nesle, Offizier in den Gardes françaises, Mann einer hübſchen Frau, welche mich auf dem Lande kennen gelernt, ging zu Ihrem Bruder, um mir einen Be⸗ ſuch zu machen. Da er mich nicht fand, fragte er denſelben, warum ich nicht bei ihm ſei. Diefer erwiederte grad her⸗
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