Teil eines Werkes 
12. Bd. (1850)
Entstehung
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146 drücken, nachdem ſie mich herzlich umarmt. Man hält mich für glücklich, ſagte ſie, und man beneidet mein Loos; kann man aber wohl glücklich ſein, wenn man ſeine eigne Ach⸗ tung verloren hat? Seit ſechs Monate lächle ich kaum noch, während ich in Grenoble, wo ich arm war und faſt das Nothwendigſte entbehrte, offen und ohne Zwang lachte. Ich habe Diamanten, Spitzen, einen herrlichen Palaſt, Equipa⸗ gen, einen ſchönen Garten, Frauen zu meiner Bedienung, eine Geſellſchaftsdame, welche mich vielleicht verachtet, und obwohl ich von den erſten Damen des Hofes wie eine Prin⸗ zeſſin behandelt werde und von denſelben freundſchaftliche Beſuche empfange, ſo vergeht doch faſt kein Tag, wo ich nicht Kränkungen zu erdulden habe.

Kränkungen?

Ja, man reicht bei mir Bittſchriften wegen Gnaden⸗ erweiſungen ein, und ich muß dieſelben mit Entſchuldigun⸗ gen wegen meiner Einflußloſigkeit zurückſchicken, da ich den König um nichts zu bitten wage.

Warum wagen Sie es aber nicht?

Weil ich nicht mit meinem Liebhaber ſprechen kann, ohne den Monarchen vor Augen zu haben. Ach! das Glück liegt in der Einfachheit und nicht im Glanze.

Es beruht auf der Uebereinſtimmung der Stellungen, und Sie müſſen ſich zur Höhe derjenigen erheben, welche das Schickſal Ihnen angewieſen.

Das kann ich nicht;ich liebe den König und fürchte beſtändig, ihm zu mißfallen. Ich finde immer, daß er zu viel für mich thut, deshalb wage ich nicht, für Andere et⸗ was zu erbitten. S.

Aber der König würde gewiß glücklich ſein, wenn er Ihnen ſeine Liebe durch Gnadenbewilligungen an diejenigen Perſonen, denen Sie Ihre Theilnahme zugeßbendet zu haben ſcheinen, beweiſen könnte.

Das glaube ich wohl, und das würde mich gluͤcklich machen; aber ich kann mich nicht überwinden. Ich habe hundert Louisd'ors monatlich an Nadelgeld; ich verbrauche ſie zu Almoſen und Geſchenken. Ich habe mir die, ohne