nicht darüber, hatte der Miniſter geantwortet, da er di Nacht in meinem Kabinet geweſen.
Dieſer Herzog, ein geiſtreicher Mann und beſonders ein Mann von Welt, war von ſehr mittheilſamen Charak⸗ ter, und konnte nur bei Gegenſtänden von außerordentlicher Wichtigkeit das Geheimniß bewahren; hierin unterſchied er ſich ſehr von jenen Dutzend⸗Diplomaten, welche ſich wichtig machen, indem ſie mit ganz elenden Sachen, deren Geheim⸗ haltung ebenſo gleichgültig wie ihr Bekanntwerden iſt, wich⸗ tig thun. Allerdings erſcheint Herrn von Choiſeul nur ſelten eine Sache wichtig, und wenn die Diplomatie nicht die Wiſſenſchaft der Intrigue und Verſchlagenheit wäre, und dagegen die Moral und Wahrheit die Grundlage der Staats⸗ angelegenheiten bildeten, wie ſie ſollten, ſo wäre die Geheim⸗ haltung ehe lächerlich als nöthig.
Der Herzog von Choiſeul hatte ſcheinbar St. Germain in Frankreich in Ungnade fallen laſſen, um ſich ſeiner in London als Spion zu bedienen; aber Lord Halifar ließ ſich dadurch nicht täuſchen, ſondern fand die Liſt ſogar ſehr grob; aber dergleichen Artigkeiten erweiſen ſich alle Regie⸗ rungen, um ſich keine Vorwürfe machen zu dürfen.
Nachdem der kleine Aranda mich mit Liebkoſungen überſchüttet, bat er mich, in ſeiner Penſion zu frühſtücken und verſicherte mir, daß Fräulein Viard ſich ſehr freuen würde, mich zu ſehn.
Am folgenden Tage fand ich mich pünktlich zu dem von der ſchönen Romans angeſetzten Stelldichein ein. Ich war eine Viertelſtunde vor dieſer blendenden Brünetté bei Madame Varnier, und das ſtarke Herzklopfen, mit welchem
ich ihr entgegenſah, zeigte mir, daß die kleinen Gunſtbezeu⸗ gungen, welche ich von ihr erlangt, nicht vermocht hatten, das Feuer zu löſchen, das ſie in mir entzündet. Als ſie erſchien, imponirte mir ihre Leibeszunahme. Eine Art Ehr⸗ furcht, welche ich einer fruchtbaren Sultanin ſchuldig zu ſein glaubte, hielt mich ab, ihr mit Zärtlichkeitsäußerungen zu nahen; aber ſie machte keineswegs größere Anſprüche auf Achtung als damals, wo ich ſie arm aber unbefleckt in Grenoble kennen gelernt. Das ſagte ſte mir in klaren Aus⸗ XII. 10
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